In einem Wolkenloch erreichten wir die Grenze, die wir ganz unkompliziert mit einigen Blicken in unsere Reisepässe überqueren konnten. Sämtliches Personal hatte ein Lächeln für uns übrig und wir hätten uns schon fast pudelwohl fühlen können, wenn nicht von allen Seiten irgendwelche zwielichtigen Gestalten „SIM-Cards“ und „Insurance“ hätten verticken wollen. Welche Art der Versicherung das sein sollte, wussten wir auch nicht.
Schließlich regnete es uns wieder ein und nach wenigen Kilometern auf armenischem Boden zu fortgeschrittener Stunde entdeckten wir ein großes Grundstück, vor dessen offenem Gartentor ein paar Zierbäumchen standen. Wir dachten uns, wir fragen einfach mal bei dem vermeintlichen Hobbygärtner, ob wir das Zelt aufschlagen könnten. Denn so nasskalt es zwar schon wieder war, so sehr nervte uns der Umstand, dass uns immer wieder das Zelten von höheren Kräften vermasselt wurde. Wurde es zwar auch dieses Mal, aber auf schöne Art und Weise. Unser Gastgeber hieß Haik, war Rentner, Imker und Pflanzenzüchter zugleich und hatte natürlich kein Problem damit, dass wir auf seinem Gelände blieben. Aber doch bitte nicht zelten! Er zeigte uns ein Kabuff, wo er anscheinend sonst nächtigt, wenn er länger hier ist. So lieb gemeint das war und so perfektionistisch er bei seinen Jobs ist, so Messy-haft versifft war leider dieser Raum. Wie selbstverständlich aßen wir gemeinsam Abendbrot und tranken Wein. Dabei gefiel uns dieser Schilf-Verschlag mit Wellblech so gut, dass wir beschlossen da zu biwakieren. Haik entschwand nach Hause zu seiner Frau und öffnete uns am nächsten Morgen um 10 wieder das Tor. Wir schliefen also im Freien, direkt am Fluss, der Armenien und Georgien trennt, und lauschten dem Quak-Konzert der Frösche, leider auch manchmal den Schüssen der Grenzarmee (angeblich die Aserbaidschaner).

Haik erschien tatsächlich überpünktlich mit seiner kleinen Enkeltochter, die hoffentlich unseretwegen nicht zu spät in die Schule kam. Die nächsten Kilometer führten straff bergauf, aber wir genossen tolle armenische Freundlichkeit. Alle grüßten uns, winkten und hupten uns zu. Das macht den Start in einem neuen Land einfach und erinnerte uns ein bisschen an die Anfänge in Adscharien. Bei der ersten Abfahrt des Tages – es war schon Mittag und wir hatten ganze 10 km auf dem Tacho – kam uns ein Tandem-Paar entgegen. Es waren Ute und Konni, die bereits seit letztem April durch die Weltgeschichte radeln und aufgrund abgelehnten Turkmenistan-Visums nun den Rückweg nach Tbilisi antraten, um von da aus nach Duschanbe zu fliegen. Aber die beiden waren Frohnaturen und nahmen es mit Gelassenheit, dass sie vollkommen ungeplant in Armenien einfach mal 14000 Höhenmeter machten – laut Konnis Aussage 2000 mehr als im Pamir. Ok, da wussten wir ja nun auch, was uns blühte. Wir tauschten Visitenkarten (auch die beiden bloggen fleißig) und machten uns wieder auf den Weg – die beiden zur georgischen Grenze und wir über endlose Anstiege und Abfahrten. Bergauf war es so steil, dass wir ausschließlich im kleinsten Gang fahren konnten und selbst der sich nur äußerst schwer treten ließ und bergab musste man konstant bremsen. Auf einem unserer letzten Anstiege trafen wir zwei iranische Fahrradfahrer, ebenfalls eine sehr herzliche Begegnung, wenn auch kürzer, da jeder schon auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz war. Als wir in eine schöne Seitenstraße einbogen, wo wir in der Ferne schon den perfekten Zeltspot erahnten, war prompt ein Wagen neben uns und ein uniformierter Mann wies uns darauf hin, dass wir in Richtung Aserbaidschan fuhren. Das war uns schon klar, immerhin bewegten wir uns schon den ganzen Tag entlang der Grenze. Aber er gab uns eindeutig zu verstehen, dass wir auf der Stelle umdrehen sollten.

Von nun an ging es bergab und nur noch feuchte Äcker lagen zu unserer Seite. Im Dorf Azatam angekommen suchten wir einen guten Zugang zum Fluss, aber da war leider nur Industrie. Da erspähten wir einen Kiosk mit einer dahinterliegenden eingezäunten Wiesenfläche inklusive Holzkloverschlag. Perfekt! Mit gebrochenem Russisch gaben wir unser Anliegen zu verstehen und die zwei hier arbeitenden Männer hatten selbstverständlich nichts dagegen. Während wir dachten, der Kiosk würde nun bald schließen, begann einer der beiden auf einmal Schaschliks auf den Grill zu legen. Wahrscheinlich würde sie hier also noch gemeinsam abendbroten bevor sie zu ihren Familien heim kehrten… Plötzlich stand eine Armee von Männern auf der Terrasse und Armee ist dabei nicht mal eine Metapher. Zumindest ein Teil von ihnen war zum Feierabend aus der einen Steinwurf entfernten Kaserne herüber geschwappt und es begann ein großes Gelage, zu dem wir wie selbstverständlich eingeladen wurden. Ständig wurden uns leckere gegrillte Fleisch- und Kartoffelstückchen herübergereicht und der Alkoholfluss riss natürlich auch nie ab. Wenn sich eine armenische Vokabel dadurch bei uns verinnerlicht hat, dann „Keenatzd“ – „Prost“. Obwohl die Männer kaum ein Wort Englisch oder Deutsch konnten und wir nur rudimentär Russisch, haben wir doch einiges austauschen können. Wir erhielten auf jeden Fall einen guten Einblick in das armenische Nationalbewusstsein, welches enorm durch den Völkermord durch die Türken, das Erdbeben in Gyumri von 1988 und den Krieg um Berg-Karrabach mit den Aserbaidschanern geprägt ist. Sie spielten uns viele Lieder vor, die vom Völkermord handelten und wirkten wie das Publikum in den Youtube-Videos sichtlich ergriffen. Der Major sang sogar mit. Aber danach schlug die Stimmung auch wieder um. Der Ruhigste von allen, der uns ständig mit neuen Bierflaschen versorgte, holperte urplötzlich in der Dunkelheit über den Acker, stellte sich mit offener Heckklappe zu uns und ab ging die Party. Von Alizée bis Céline Dion war alles dabei. Zwischendurch kläffte immer wieder der kleine Welpe des Kiosk-Besitzers und bettelte um Aufmerksamkeit und/oder Essen. Da die Männer von ihm genervt waren, nahm ich ihn kurzerhand auf den Schoß, wo er wie ein Baby schlief. Irgendwann war schließlich Zapfenstreich und nachdem wir uns schon fast mit Händen und Füßen dagegen wehren mussten, in ein Hotel einquartiert zu werden (es sei doch viel zu kalt zum Zelten!), verließen uns die Trunkenbolde. Wir halfen dem Kioskbesitzer bei der Beseitigung des gröbsten Chaos und verabschiedeten uns ins Zelt.
Der nächste Morgen war wie Ostern. Da in dem hohen Gras, welches schon einem kleinen Biotop glich, unzählige Insekten wohnten, ließen wir die Tasche mit dem Essen lieber oben auf der Terrasse dummerweise nicht wirklich verschlossen. Für unseren verspielten und verfressenen Welpen war das natürlich ein willkommenes Geschenk. Alles Mögliche war herausgezogen, verschleppt und natürlich zum Großteil verspeist worden. In einem Umkreis von 100 m fanden wir Folienreste von Wurst, Käse, selbst Butter. Auch geschlossene Dosen waren dabei kein Hindernis. Ein paar Sachen konnte ich dennoch von der Wiese retten, so Walnüsse, Zwieback und Haferflocken – waren wohl zu trocken. Als wir um 9 den Ort verließen, war vom Besitzer noch keine Spur, sodass wir ihm nicht beichten konnten, dass sein Hund kürzlich ca. 200 g Butter verspeist hat und seine Verdauung leicht verändert sein könnte…

Von nun an ging es im Sonnenschein gemächlich ein blühendes und grünendes Tal bergauf. Im Ort Ijewan statteten wir uns auf dem Markt mit Obst und Gemüse aus und fühlten uns beim Preis kurz abgezockt. Aber nirgends wurden Preise deklariert, also wie sollten wir uns beschweren? Ein paar Meter weiter winkte uns ein Imbissbesitzer wie wild an die Seite. Er war zwei Jahre in Schwerin stationiert und freute sich über deutsche Radler. Wir wurden förmlich zu einer Mittagspause gezwungen, obwohl wir wieder erst 10 km gefahren waren. Natürlich gab es auch hier nichts geschenkt, wobei der Preis absolut in Ordnung war. Aber so langsam verstanden wir die Warnung von Andranik damals in Ninotsminda, dass die Armenier nur auf Geld aus seien. Das ist zwar etwas drastisch ausgedrückt, aber tatsächlich machten wir dieselbe Erfahrung wie Andi und Steffi in ihrem Armenien-Bericht, dass wild Preise in den Taschenrechner getippt werden und man null überprüfen kann, um man jetzt verarscht wird oder nicht. Preisschilder fehlen meist. Andererseits: ist es so verwunderlich, wenn ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt, die Regierung in Form unfairer Steuern zuschlägt und das eigentliche Kapital des Landes, die jungen Arbeitskräfte massenhaft abwandern? Und selbst die Lebensmittel, deren Preise wir lesen können, sind nicht unbedingt spottbillig, zumindest nicht für die Leute hier mit ihrem Einkommen. Und da kommen wir Westeuropäer an, mit Langzeiturlaub, festem Einkommen, top Marken-Ausstattung etc. und sollen uns das Recht herausnehmen, uns über dieses Gebaren zu beschweren? Auch wenn es ein gewisses Geschmäckle hat, nehmen wir einfach hin, dass zumindest an manchen Touristen-Orten versucht wird, alles herauszuholen und hoffen einfach, dass es sich mit der Großzügigkeit wie der von Haik zu Beginn oder den Militärleuten in der zweiten Nacht die Waage hält.

In Dilijan angekommen, erwehrten wir uns eines Hundeangriffs und suchten die Pension Dyjak auf, die uns Ute und Konni wärmstens empfohlen hatten. Die Referenz auf die beiden zahlte sich für uns aus – wir bekamen das Zimmer ebenfalls für 12.000 statt für 20.000 Dram, inklusive Frühstück. Im riesigen Garten tummelten sich unzählige Kaninchen und mehrere Katzen. Nachdem wir zunächst draußen schwitzten, braute sich zum Abend – wie sollte es anders sein – ein Gewitter zusammen und wir waren froh, nicht zu zelten. Wir folgten auch der Restaurant-Empfehlung von Ute und Konni, wurden hier aber leider ein bisschen enttäuscht. Das war doch eine ziemliche Touri-Absteige. Andererseits was nicht in diesem zu Sovjet-Zeiten hochgezogenen Kurort, der vor B&B`s, Guesthouses und Hotels nur so strotzte?

Dafür bekamen wir am Morgen tatsächlich das beste Frühstück der ganzen Reise. So viel Energie, nur um dann zwei Stunden im Zimmer festzuhängen. Denn pünktlich als wir Richtung Parz Lich („Klarer See“) und Goshavank-Kloster aufbrechen wollten, ereilte uns was? Na klar, ein Gewitter! Umso schöner, sich nochmal ins Bett kuscheln können zu können. Schließlich erkämpften wir uns Serpentine um Serpentine (insgesamt 700 Höhenmeter an unserem „Ruhetag“) inklusive Hundeangriff zu einem der angeblich schönsten Seen Armeniens. Als auch hier wieder Regenwolken aufzogen, gönnten wir uns Bierchen und Suppe im Restaurant. Eher rhetorisch fragten wir nach dem Weg zum Kloster. Da meinte der Kellner, dass wir es mit den Rädern vergessen konnten. Zu Fuß ja, aber da dauerte ein Marsch drei Stunden und es war bereits Nachmittag. Wir begutachteten den zerfurchten Schlammweg und mussten feststellen: er hatte recht! Verdammt, wieder kein Kloster. Zuvor hatten wir immer die Schilder ignoriert, weil uns der Umweg mit schwerem Gepäck zu viel bzw. eher zu steil gewesen wäre. Wieder in unserem Zimmerchen zogen wir uns erst einmal ein paar Armenien-Dokus rein, da uns leider ein Reiseführer fehlte, um uns näher mit diesem interessanten Land auseinandersetzen zu können.

Am Morgen wartete ein erneut famoses Frühstück auf uns, das uns Energie bis zum Zielort Sevan-See gab. Wir verabschiedeten uns von den lieben Gastgebern, die hier mit ihrem Personal wirklich alles für einen schönen Aufenthalt tun und die wir Urlaubern im Dilijan-Nationalpark auf jeden Fall empfehlen würden und fuhren von da an nur noch bergauf. Dennoch waren diese 30 km bis auf 2153 m im Vergleich sehr angenehm, die Steigungen moderat, der Belag ok und spätestens seit wir die Hauptstraße verlassen hatten auch der Verkehr quasi nicht mehr existent. Denn kein Fahrradfahrer tut sich freiwillig 4 km durch einen schmalen dunklen Tunnel an, wenn nebenher die alte serpentinenreiche, aber völlig ruhige Straße führt. Im ersten Dorf begleitete uns ein paar Meter ein kleiner putziger Junge auf seinem Mountainbike mit ratternder Kette, kehrte aber bald wieder um. Wir brausten hinunter zum Sevan-See und auf dem Highway, der für uns einen komfortablen Standstreifen bereithielt, auf dem wir vom Verkehr unbehelligt waren, holte uns was ein? Na klar, ein Gewitter! Komplette Regenmontur an und weiter die letzten Kilometer zur Halbinsel des Sevanavank-Klosters, die angeblich so etwas wie einen Zeltplatz bereithalten sollte. Einmal mehr stellten wir fest, dass die OsmAnd-Informationen nicht ganz aktuell sind. Wir hielten bei einem Restaurant/Imbiss, was nicht ganz so laut und überlaufen war und bekamen eines der besten Abendmahle der Reise. Und die Quittung leider auf dem Fuß. Es gab weder eine Karte noch wurden uns Preise gesagt, sodass wir blindlinks bestellten. Für umgerechnet 30 € hatten wir am Ende gegessen. Aber wenigstens war es richtig lecker und verdammt viel. Und der Besitzer war auch unheimlich nett und ließ uns selbstverständlich auf seinem Strandabschnitt zelten. Mit perfektem Blick auf den Sevan-See, zahlreichen Bänkchen und Kiefern konnten wir eine vorsommerliche äußerst frische Nacht genießen. Aber was heißt schon frisch? Kurz kam eine Gruppe Jungs vorbei, von denen einer offensichtlich eine Wette verloren hatte und sich ins Wasser schmiss, ganze drei Mal. Unvorstellbar für uns in vier oder fünf Klamottenschichten gehüllt…

In aller Früh besichtigten wir das Sevanavank-Kloster, gerade rechtzeitig, bevor massenhaft Schulklassen und Touristenbusse ausgeschüttet wurden. Als sich der Klosterhügel langsam zu einem Ameisenhaufen wandelte, kehrten wir zum Zelt zurück und frühstückten in Ruhe. Leider erfüllte sich unsere Hoffnung nicht, dass es bald so brutzelnd warm werden würde, dass wir doch noch dazu verleitet gewesen wären, wenigstens kurz ins eiskalte Wasser zu springen. Stattdessen frischte eine steife Brise auf, wir froren und packten schnell zusammen. Im Kampf gegen den Wind begleitete uns in der Nähe von Sevan ein paar Kilometer ein Hobby-Radler, der sehr entzückt war, Fernradler in seiner Heimat zu treffen. Windschatten spendete er uns leider nicht. Der „Highway“ in Richtung Armeniens Hauptstadt war äußerst hügelig und gut befahren, jedoch hatten wir auf unserem Randstreifen meistens Ruhe. Bei der Abfahrt in die Stadt wurde es mit jedem Höhenmeter, den wir verloren, spürbar heißer. Im dichten Verkehr gönnten wir uns eine kurze Softeis-Pause und kündigten uns bei Murat an, dem türkischen Reiseradler, den uns Ute und Koni quasi „vermittelt“ hatten. Womöglich hätten wir ihn auf Warmshowers ignoriert, da sein Apartment einigermaßen weit entfernt vom Zentrum lag. Er empfing uns in siedender Hitze in seiner 1-Zimmer-Wohnung. Obwohl wir hier zwei Tage auf engstem Raum zusammenlebten, verstanden wir uns sehr gut mit diesem verrückten Freigeist. Er ließ uns an leckerer türkischer Küche teilhaben, radelte mit uns zum Platz der Republik, wo zufällig ein russisches Bluesrock-Konzert stattfand und machte uns am ersten Abend mit Rosie und Patrick bekannt. Herr je, wie lange hatten wir keinen Kneipenabend? Bei frischen alkoholischen Getränken konnten wir uns rege mit diesen aus England und Irland stammenden Reiseradlern austauschen. Die beiden waren bereits im Februar in London gestartet, hatten demzufolge schon einiges an Kilometern mehr in den Beinen und warteten jetzt hier auf ihr Iran-Visum.

Unser Ruhetag bestand aus Sightseeing, während Murat an einem Tanzkurs teilnahm. Jedoch erlahmten unsere Füße gegen Nachmittag, da es einfach zu heiß war. Da konnten auch die zahlreichen über der Stadt verteilten „Pulpulaks“ (kleine Trinkwasserquellen) kaum Abhilfe schaffen. Nach der Besichtigung des Denkmals zu Ehren des Heiligen Mesrop Maschtoz, dem Erfinder des Armenischen Alphabets sowie der scheinbar seit Jahren nicht fertiggestellten Kaskaden, die nichtsdestotrotz einen famosen Blick über die Stadt gewähren, waren wir reif für eine Pause. In einem kleinen, sagen wir „Hipster-Café“ namens Green Bean genossen wir zwei Stunden lang Eiskaffee und hausgemachte Limonade. Nach dieser Erfrischung stolperten wir ziemlich direkt zum Vernissage Markt, wo allerlei Geschirr, Töpfe, Tücher, Bücher und anderer für Radreisende unnützer schwerer Kram feilgeboten wurde. Im nahegelegenen Derian-Restaurant waren wir erneut mit Rosie und Patrick verabredet. Wir verstanden uns so super, dass wir beschlossen, ein Wiedersehen nicht dem Zufall zu überlassen. Die beiden sollten am nächsten Nachmittag ihr Visum abholen können und wir beschlossen, einfach so lange mit unserem Start zu warten, bis sie fertig waren.

Die Wartezeit konnten wir wiederum gut nutzen, um lästige Gänge wie Post und Bank zu erledigen. Wir brauchten noch US-Dollar für den Iran, was sich im Gegensatz zu Georgien schwieriger als gedacht herausstellte. Wir gingen davon aus, dass zumindest in Yerevan ebenfalls Dollar am Geldautomaten verfügbar wären. Weit gefehlt. Gut, dass wir das Geld nicht an jedem verdammten georgischen Bankomaten hätten organisieren können… Mit frisch gefülltem Portemonnaie stürmten wir dann, oder besser ich zum Leidwesen der Männer (Murat begleitete uns), die hiesige Markthalle. So viele Stände, so viel Buntes, so viel Gleiches und so wenige ausgewiesene Preise. Das macht es nicht einfach, Entscheidungen zu treffen. Schließlich trafen wir uns 17.30 Uhr vor der Mall mit bepackten Rädern mit Rosie und Patrick. Zusammen mit Murat, der uns noch ein Stück auf dem Rad begleiten wollte, erregten wir natürlich sogleich großes Aufsehen unter den Shoppingwütigen. Unser Plan, die Stadt in Richtung Süden hinter uns zu lassen, wurde von unseren neuen Reisepartnern jedoch über den Haufen geworfen. Sie hatten von einem armenischen Radsportler die dringende Empfehlung bekommen, über den Sevansee und damit die alte Seidenstraße zu fahren, da diese viel schöner sei und wir von viel weniger Verkehr begleitet würden. Das Hauptargument war aber: das vor uns liegende Tal war nicht nur dreckig und stark befahren, sondern heiß, trocken und angeblich voll von Schlangen, auch giftigen. Denkbar schlechte Voraussetzungen für den baldigen Zeltaufbau, denn wir hätten es in den verbleibenden knapp zwei Stunden niemals aus dem Tal herausgeschafft. Nach vielem Hin und Her, zahlreichen Gesprächen mit Yerevanern (von den viele Deutsch konnten), Trubel vor der Mall inklusive Schockmoment durch geplatzten LKW-Reifen direkt neben uns und Gegrübel haben wir es mithilfe eines engagierten älteren Herren tatsächlich geschafft, ein Taxi und einen Transporter für uns samt Rädern und Taschen zu organisieren. Für insgesamt 30.000 Dram (ca. 60 €) wurden wir also mit Sack und Pack zurück nach Sevan bugsiert, wo wir mit dem letzten Tageslicht noch unsere Zelte aufbauten. Schlangenfrei versteht sich.