Unser Ruhetag in Tbilisi bestand aus intensiver Fahrradpflege und Touri-Programm. Nachdem wir fast jeden Mini-Shop und Bäcker unserer Hood erkundeten (unser Puri zum Frühstück gab es direkt heiß aus dem steinernen Ofen), ging es auf die andere Seite der Kura vorbei an der Reiterstatue von König Wachtang Gorgassali zur von überall her sichtbaren Sameba-Kathedrale und über den Rike-Park (erstaunlich unfertig) sowie die „Always-Ultra-Brücke“ (offiziell Friedensbrücke) zurück. Am zweiten Stadttag komplettierten wir die Sehenswürdigkeiten mit der Festung und Kartlis Deda, der „Mutter Goergiens“. Am Abend besuchten wir die Schwefelbäder von Abanotubani, welche schon Alexandre Dumas und Alexander Puschkin zum Schwärmen brachten. Die heißen Quellen waren überhaupt erst der Anlass für Wachtang Gorgassali die Stadt zu gründen! In den ehrwürdigen gekachelten Hallen ließen wir also eine Stunde lang unsere Haut schrumpeln. Nein, so lang hält das natürlich kein Mensch aus. Uns hat zwar niemand gezeigt, wie man den Badegang „richtig“ gestaltet, aber wir dachten, für den Kreislauf ist es sicher gut, wenn wir alle paar Minuten aus dem dampfend heißen Wasser gehen, uns kalt abduschen und erst mal wieder im Vorraum ein paar Schlucke Tee genehmigen. Danach fühlt man sich auf jeden Fall angenehm erholt! Unser geplantes Picknick unterhalb der Kartlis-Deda-Statue mit Blick auf die Stadt wurde leider von heftigem Regen zunichtegemacht.

Bei immer noch instabilem Wetter, sprich ständigem Drohen von ordentlichen Huschen und Gewitter, verließen wir mehr oder weniger souverän die Stadt. Sich durch Großstadtgewirr per Fahrrad zu fitzen ist so und so nie einfach, aber bei einer derart fahrradunfreundlichen Stadt wie Tbilisi ohne Fahrradwegen geschweige denn halbwegs nutzbaren Fußwegen steht man schon vor einer großen Herausforderung. Mit einer kleinen Schlammeinheit auf einer mal wieder nicht fertig erneuerten Straße, auf uns einredenden Tankwärter/innen und verwirrenden OsmAnd-Kalkulationen landeten wir auf dem „Kakheti-Highway“. Der Name konnte nichts Gutes bedeuten. Doch lange Zeit gab es so etwas wie eine ungenutzte Parallelstraße, die eigentlich nur von Marschrutkas oder tankwilligen Autos genutzt wurde. Erst als diese versiegte, begann der eigentliche Kampf mit dem anstrengenden Verkehr. Nach einem Gewitterguss war die Straße dann auch noch so nass, dass wir ordentliche Gicht vom an uns vorbeibrausenden Verkehr abbekamen und innerlich beteten wir nur, dass das Wetter und der Verkehr bald besser werden würden. Nach anstrengender Kraxelei bergauf ließen wir tatsächlich das Schlechtwettergebräu hinter uns, doch die Straße war so stark befahren wie eh und je. Was genau die Menschen zum Samstag durch die Gegend düsten, wussten sie wahrscheinlich selber nicht, auf jeden Fall wurden wir zum ersten Mal Zeuge (oder eher Opfer) des kranken Fahrstils. Autos, die uns überholten, wurden im selben Moment ebenfalls überholt, aber der Gegenverkehr kann bei solchen Aktionen auch schon sehr in Reichweite sein. So aufregend – im negativen Sinn – diese Tagesetappe war, so sehr bestätigte sie uns im Nachhinein in unserer Routenwahl. Denn hätten wir statt der Südroute über Goderdzi-Pass etc. die Hauptverbindung zwischen West und Ost über Kutaisi, Gori etc. gewählt, dann wären wir womöglich schneller, aber wahrscheinlich mit zahlreichen Herzstillständen und Nervenzusammenbrüchen unterwegs gewesen. Und wer meint, viel Verkehr = Hundeattackenfreiheit, der sei hiermit enttäuscht. Selbstverständlich mussten wir auch hier gelegentlich mit Herzbuppern vom Fahrrad abspringen und uns mit Steinen bewaffnen.

Das Highlight unterwegs waren zwei herzliche Damen, Lia und Marika, die uns aus ihrem Steinhäuschen am Straßenrand heraus winkten. Für uns kaum erkennbar, handelte es sich hierbei um eine Bäckerei und nachdem sie uns ein Brot herausreichten und die Bezahlung vehement ablehnten, durften wir auch einen Blick in die Backstube werfen. Dabei fanden wir trotz begrenzter Russisch-Kenntnisse heraus, dass die beiden Schwägerinnen waren und sichtlich Spaß bei ihrer Arbeit hatten. Als wir uns genügsam aus dem Staub machen wollten, deutete uns Marika an, noch zu warten. Warum? Na klar, das eine Brot war natürlich nicht genug, wir sollten noch ein zweites ofenwarmes bekommen! Ganz baff von dieser Großzügigkeit radelten wir motiviert weiter und wuschen uns bei einer Gulf-Tankstelle erst mal den Schlamm vom Vormittag von Füßen und Beinen. Da bemerkten wir erst einmal, dass unser Ziel für den nächsten Tag, Sighnaghi eigentlich nicht mehr so weit entfernt war. Lediglich der Anstieg von nochmal 500 m ließ uns zweifeln. Aber zur Not hätten wir immer noch kurz zuvor unser Zelt aufschlagen können. Dachten wir. Ungefähr 15 km vor der Stadt türmten sich auf einmal riesige Gewitterwolken hinter uns auf. Das sah auch nicht nur nach einem kleinen Schauer aus. Da wir wussten, dass es in Sighnaghi nur so vor Guesthouses wimmelte und man zu sehr moderaten Preisen nächtigen konnte, war klar: wir ziehen durch! Was für ein Gefühl: du klebst am Berg, kommst nicht voran, mit jedem Meter scheint der Anstieg steiler zu werden, du schaust in den Himmel und die dunklen Wolken rauschen nur so an dir vorbei und es ist eigentlich klar, dass es kein Entkommen gibt. Dass wir die letzten fünf Kilometer bergab rollten, konnte uns dennoch nicht vorm großen Wolkenbruch retten. Bei Hagel, Sturm und kübelweise Regen retteten wir uns unter einen Balkon, mit uns ein Mann, der für uns netterweise im Guesthouse Maja anrief. Maja und ihr Mann kamen mit Auto zu uns und warteten die ganze Zeit neben uns den Regen ab, bis wir in der Lage waren, über die Sturzbäche auf den steilen Straßen unsere Räder durch die Stadt zu schieben. Da wir das Angebot ausschlugen, unsere Packtaschen ins Auto zu werfen, lief Maja mit uns und hatte dabei immer ihre Hände mit an meinem Lenker, um mir beim Schieben zu helfen. So fanden wir Unterkunft bei diesem lieben Ehepaar, bekamen noch einen heißen Tee und konnten uns geschafft ins Bett werfen.

Zum Frühstück begeisterte uns Maja mit fluffigen Pancakes, Omelette und selbstgemachter Apfelmarmelade. Leider fiel uns hierzulande oft auf (oder eher mir, Klaus tangiert das ja null), dass löslicher Kaffee der Renner ist – zu Lasten der traditionellen Brüh-/Aufkochtechnik, wie man sie in diesen Breitengraden eigentlich pflegt. Vor allem Jacobs Krönung hat den Markt erobert. Nun denn, das sollte uns nicht davon abhalten, zum Kloster Bodbe zu marschieren. Busse-weise werden hier die Menschen her gekarrt, um eine schöne Kapelle mit Wandmalereien, einen Shop, ein hässliches Café und eine Baustellen-Kirche zu besuchen. So richtig hatte sich der Fußmarsch also nicht gelohnt und wir sahen zu, dass wir wieder in den Kern der offiziell kleinsten Stadt Georgiens kamen. Mit einem Eis amüsierten wir uns auf dem Hauptplatz über Indianer-Playback, Quad-verrückte Jugendliche und Touristenhaufen, die erneut aus Bussen geworfen wurden, um wiederum den Indianern beim Flöten und Tanzen zuzuschauen. Das waren also die Ureinwohner Sighnaghis, aha. Der Besuch in der Markthalle war ebenfalls köstlich, dieses Mal aber im wahrsten Sinne. Bei einer goldigen Frau kauften wir ein sattes Kilo Erdbeeren, welche zwar kaum länger als einen Tag halten, aber so klein, süß und intensiv sind, dass wir uns reinlegen könnten. Eine Entdeckung für uns war die „Erikfrucht“, im Prinzip kleine Kirschpflaumen, die unreif, sprich grün geerntet und gegessen werden. Nur ist der leicht säuerliche Geschmack nicht so unser Ding. Neben Obst und Gemüse in Hülle und Fülle gab es vor allem hausgemachten Wein, Chacha und Tschurtschkhela sowie diese seltsamen getrockneten Fruchtlappen. Mit ganz viel Wein und Obst kehrten wir kurz auf unserer herrlichen Terrasse mit Blick auf den Großen Kaukasus ein, bevor wir zu einem weiteren Spaziergang in und um die Stadt aufbrachen. Historische Stadtmauern zeugen von vergangenen Zeiten, viele Türme können bestiegen werden. Auf einem alten Kirchturm trafen wir sogar ein Paar aus Berlin, die per Marschrutka durch Georgien reisten. Im Guesthouse war indes viel Leben eingekehrt. Hannes aus Deutschland, der hier Firmengründer-mäßig unterwegs ist und Phoebe und Harriet, die gerade nach neun Monaten des Reiseradelns wieder ihrer Heimat England entgegenstrebten.

Da die beiden vom leeren Magen aus dem Haus getrieben wurden, konnten wir unseren netten Flurschnack vom Abend erst wieder in den Morgenstunden fortsetzen. Die beiden schwangen sich eine Stunde vor uns auf die Räder, hatten aber auch die heftige Tour nach Tbilisi vor sich. Unser Tagesziel lag hingegen „nur“ rund 90 km entfernt und war höhenmäßig für georgische Verhältnisse ungewohnt einfach. Nachdem sich anfangs Dorf an Dorf reihte und die Menschen uns wieder massenhaft seltsam beäugten, verließen wir die Hauptroute und verfolgten eine Parallelstraße auf der anderen Seite dieser weinreichen Tiefebene. Auf dem Weg zur Wehrkirche Germi aus dem 16. Jahrhundert trafen wir Louis und Claudia aus Portugal, die ebenfalls schon seit neun Monaten unterwegs sind, aber unser Reiseziel Pamir teilten – nur leider auf komplett anderer Route. Nach diesem angenehmen Zwischenstopp legten wir dann die richtige Pause unterhalb der Kirchenanlage ein und wechselten uns mit dem Besuchen eben jener ab – man traut sich ja doch nicht so richtig, die Räder alleine zu lassen. Als ich zuerst oben war, schenkte mir der junge Mann aus dem Shop drei Bonbons, was ich schon super nett fand. Klaus lud er danach zum Kaffee ein und meinte, er solle mich holen. Da wir auch schon verschiedene Abzockermethoden erlebt haben (nach dem Motto: ich tu so, als würde ich dich einladen und bettle anschließend um Geld), waren wir zunächst skeptisch, ließen dann aber doch die Fahrräder Fahrräder sein und wackelten gemeinsam hinauf. Der junge Mann brühte mir hervorragenden Kaffee und gab Klaus erst eine, dann noch zwei weitere Wasserflaschen aus dem Kühlschrank, dazu noch Kekse und für die Fahrt noch eine Tüte mit Bonbons dazu. Bezahlung lehnte er vehement ab. Einfach klasse. Wir waren sitt und satt und rollten weiter entlang des Großen Kaukasus durch beschauliche Dörfchen bis wir schließlich unseren Zielort Kvemo-Alvani erreichten. In jenem Park, den die zwei Portugiesen empfahlen, war es uns noch zu hell und rings herum zu lebhaft, um das Zelt aufzubauen. Also fuhren wir doch noch die drei Kilometer weiter zum Kloster Alaverdi, obwohl wir wussten, dass wir es nicht mehr innerhalb der Öffnungszeiten schaffen würden. 18.15 Uhr, also genau eine viertel Stunde zu spät, kamen jedoch drei Männer heraus, die meinten, wir könnten ruhig noch reingehen. Im Eingangsbereich mussten wir uns lediglich angemessen verhüllen. Leider war das Fotografieren verboten, woran wir uns natürlich auch hielten, wo man uns doch kulanter Weise noch so gewähren ließ. Andächtig durchschritten wir das erste wirklich sehenswerte Kloster unserer Reise. Bis dato dachten wir uns ehrlich gesagt schon „Na ja, da haben wir in Bulgarien imposantere Klöster gesehen“. Beim Hinausgehen trafen wir eine pummelige, aber freundliche Dame und so ergriffen wir die Gelegenheit, um uns einfach mal gebrochen auf Russisch nach Zeltmöglichkeiten zu erkundigen. Obwohl sie die Frau des Priesters war keine Spur von Nächstenliebe. Sie zuckte mit den Schultern und überließ uns unserem Schicksal. Also doch zurück zu diesem Park-ähnlichen Grundstück. Als wir vorm Tor standen, hockte da sogar ein Mensch in der Hecke. Oh je, und nun? Da kam ein Mann über die Straße. Zelten? Kein Problem, natürlich, es sei sein Grundstück, ein Erbe seines Vaters, er sei der „Security“. Super, jetzt wusste jemand, dass wir hier sind und ein bisschen beschützt konnten wir uns noch dazu fühlen. Ein bisschen verwildert und verwahrlost war er zwar, dieser bestimmt einst prächtige und akkurat angelegte Park, aber wir fanden ein hübsches Plätzchen zwischen Hecken und Bäumchen. Obwohl sich schon lange dunkle, dicke Wolken über dem Gebirge aufbauschten, hatten wir Glück und konnten komplett im Trockenen Nudeln und kachetischen Wein genießen. Ein schöner Tag!

In der Nacht wurden wir häufig vom Regen geweckt, der auf unser Zelt prasselte. Aber nach einer letzten Husche am Morgen sollten wir beinahe den ganzen Tag Glück haben. Vorbei an vielen Kindern, die unmotiviert zu Schule trotteten, radelten wir nach Akhmeta, welches in prägender Erinnerung bleiben wird. Uns schenkte nicht nur eine liebe Frau am Obst- und Gemüsestand zwei Gurken zu unserem Einkauf dazu, sondern wir wurden beim einfachen Versuch, Brot zu kaufen Zeuge eines skurrilen Familienschauspiels. Der junge Bäcker, der in der Tür lehnte, bat uns direkt hinein in die Backstube: hinten stand der Ofen, in der Mitte das Rührgerät und vorne um einen Tisch herum zwei Frauen, der alte und der junge Bäcker und statt uns einfach nur unsere zwei „Puri“ zu geben, reichte man uns Schnapsbecher. Es war zwar gerade einmal Vormittag, aber wir wollten mal nicht so sein. Schwups hielt man uns auch noch etwas vom Broiler unter die Nase und frisch gebackenes Brot sowieso. Es folgten mehrere Schnapsrunden bis irgendwann einer der Frauen die Hutschnur riss und ein lautstarker, temperamentvoller Streit mit ihrem Mann ausbrach. Da wir nichts verstanden, konnten wir nur mutmaßen. Womöglich fand sie unsere Anwesenheit im Gegensatz zu den Männern gar nicht cool, da diese dadurch die Arbeit liegen ließen und einen Grund zum Saufen hatten. Oder sie missinterpretierte, dass wir Kontaktdaten austauschten. Valiko, der ältere, schrieb uns nämlich seine Telefonnummer auf, sodass wir netterweise auch unsere aufschrieben. Oder ihr gefiel nicht, dass er ruhmreich erzählte, mit zwei Frauen verheiratet zu sein (wir wussten gar nicht, dass das in Georgien geht, aber andererseits, wo noch Kinderehen abgehalten werden, verwundert das eigentlich auch nicht…). Wir hätten uns natürlich gerne so schnell wie möglich verzogen, aber der Jüngere gab es uns ständig gelassen zu verstehen, das sei alles nicht so wild, wir sollten ruhig sitzen bleiben. Als schließlich eine ältere Dame hinzukam (vielleicht die Oma?) und ihn wiederum nicht minder lautstark voll toffelte, fühlten wir uns langsam wirklich unwohl. In dieser patriarchalischen Gesellschaft machen die Frauen ihre Männer also doch ganz schön rund, was wir so nicht erwartet hätten – aber nur mit mäßigen Erfolg. Als wir andeuteten, dass wir jetzt wirklich weiter müssen, haben die beiden Männer uns nur verräterisch angegrinst, uns noch gebührend verabschiedet und schließlich sogar noch für ein Abschiedsfoto posiert. Ach ja, unsere zwei Brote durften wir natürlich nicht bezahlen.

Unterwegs auf dem unsäglichen Weg nach Tianeti begegnete uns ein junger Hirte/Bauer, bei dem wir eigentlich primär wegen der zwei großen Hunde respektvoll anhielten. Die Konversation war äußerst schwierig und auch die angerufenen Kumpels konnten ihm nicht mit Englisch aushelfen. Schließlich zeigte er uns oder besser nur mir ein Video von seinem Kaninchenstall – das hat er uns also seit fünf Minuten versucht, zu sagen: er hat Kaninchen! Und „luk“ war gar kein russisches Wort, sondern wahrscheinlich das einzige Englische, was er konnte und er wollte eigentlich, dass wir mit zum Hof zum Anschauen kommen. Da er aber eindeutig zu sehr auf mich fixiert war, obwohl wir schon die übliche Leier brachten, dass wir verheiratet sind (das wollen hier immer zuerst wissen: woher sind wir und sind wir verheiratet?) und wir schon bei der Party in der Backstube viel Zeit haben liegen lassen, schwangen wir uns wieder auf die Räder. Es folgte die höhenreichste Tagesetappe unserer bisherigen Tour. Besonders schlimm war der Zustand des Weges bis Tianeti – teilweise schlimmer als der Goderdzi-Pass. Und dann nach Stunden des Gewackels und Gebuckels plötzlich wieder aalglatter Asphalt unter unseren Reifen – welch erhabenes Gefühl! Bei der Pause hatten wir die ganze Zeit treudoofe Kulleraugen eines hübschen Straßenhundes vor der Nase, sowas tut auch immer weh. So viele attackierende Monster uns auch begegnen, so viele goldige bemitleidenswerte Straßenhunde trotten oder liegen entlang unseres Weges….

Die rund 25 km zur Heerstraße waren nochmal eine ordentliche Herausforderung. Man erwartet, dass es primär bergab in jenes Tal geht, tut es auch zunächst. Bis die Straße wieder steil ansteigt. Gut, aber danach geht es bergab. Na nu, schon wieder bergauf? Immer noch? Was denn, nochmal steiler? Ein Wahnsinn, wir knackten sogar unseren Tageshöhenrekord. Und kaum, dass die Straße dann wirklich final bergab ins Tal fiel, kam eine riesen Baustelle. Der Asphalt war bisher auch einfach zu gut. Doch alles weitere Gebuckel über groben Stein bei Baustellenlärm und -dreck war nicht so schlimm wie diese paar Meter, die einfach nur aus lehmiger Matschepampe bestanden. An Fahren war nicht zu denken, dabei wären wir zu sehr geschlingert. Also schieben. Und jeder Tritt viel schwer, weil die Sandale im nassen Lehmschlamm hängen blieb. Selten waren wir und unsere Räder so eingesaut wie nach diesen zehn Metern. Schließlich erreichten wir irgendwann die große Straße, die uns bis Kazbegi/Stepantsminda nahe der russischen Grenze bringen sollte. Es war mittlerweile 18 Uhr und wir hatten noch anstrengende 13 km vor uns, denn wir wollten die Festung Ananuri erreichen, unterhalb derer man angeblich prima zelten könne. Fast unbemerkt knackten wir auf diesem Stück die 3000-km-Marke. Zur besagten Festung fiel die Straße auf einmal wieder ab, wir sausten dahin, gerade noch rechtzeitig, um auf dem Parkplatz Unterschlupf zu finden. Warum? Na klar, mal wieder hat uns ein Gewitter eingeholt! Wir hatten uns wirklich auf’s Zelten in dieser Kulisse gefreut! Der Gewittersturm ließ uns und die Straßenhunde gelähmt unter einem Dach ausharren bis wir wegen des anhaltenden Regens beschlossen, das Schild „Hotel Ananuri“ weiter zu verfolgen. Wir landeten jedoch bei einem anderen Schild, dem „Family Hotel“, wo man uns angesichts des Namens und des Umstandes, dass wir im gastfreundlichen Georgien sind, sehr zurückhaltend empfangen hat. Dem alten Mann waren wir wohl ziemlich egal, aber immerhin hat er uns das Gas für die Heizung im Zimmer aufgedreht. Als wir die eher schmuddeligen Sanitäreinrichtungen sahen, schoss uns natürlich wieder der Gedanke durch den Kopf, ob wir nicht doch besser zelten sollten? Aber wir waren unter unserer Regenkleidung so verschwitzt von den Anstrengungen des Tages, gefühlt auch verdammt dreckig von all dem Schlamm und Staub, dass die Aussicht auf eine Dusche alles überlagerte und so ein warmes trockenes Zimmer einen ungeahnten Reiz ausübte. Wie zur Bestätigung setzte erneut Regen ein und dunkel wurde es mittlerweile sowieso. Sehr bedauerlich, dass uns das Wetter erneut einen Strich durch die Rechnung machte.

Bei dicker Wolkensuppe erkämpften wir uns am Folgetag Höhenmeter um Höhenmeter auf der Heeresstraße, nur um dann nach dem nächsten Bergrücken wieder alles hinabzurollen. Wann machte man denn hier mal Fortschritte im Höhenniveau? Aber wenigstens spulten wir so die Längenkilometer etwas flotter runter als gedacht. Mitten in dieser Sisyphos-Arbeit erwischte uns zur Mittagszeit eine kleine Regenfront, sodass wir uns zu der doofen Idee verleiten ließen, statt unserer üblichen Brotzeit am Straßenrand doch eine Gaststätte aufzusuchen. Wir landeten in einer, salopp gesagt, Kaschemme. Es gab von der Speisekarte nur Schaschlik und Khinkali, sodass unsere Auswahl begrenzt war. Zunächst schmeckte das Essen gut, aber die Spätfolgen… Da wir bei dem Wetter merkten, dass wir es auf keinen Fall in einem Ritt bis Stepantsminda schaffen würden bzw. es irgendwie bei dem Wetter auch nicht wollten (denn sonst hätte man sich über die Berge ohne jeglichen Ausblick gequält), kehrten wir bei der nächsten Möglichkeit gleich wieder ein. Wie verlockend doch manchmal „WiFi“-Schilder sind. Bei Kaffee und Tee fanden wir in Gudauri, ein Wintersportort ca. 35 km vor Stepantsminda ein großartiges und sogar relativ günstiges Hotel. Mit dieser Motivation im Nacken ging es steil hinauf, über mehrere Serpentinen, bis wir irgendwann die ersten Ausläufer von Gudauri erreichten. Die Luft wurde nicht nur spürbar kälter, sondern auch dünner. Obwohl wir mittlerweile Berg-erprobt sind, pumpte das Herz mehr als gewöhnlich und wir brauchten auf der Zielgeraden (also den letzten steilen Kehren) zwei Verschnaufpausen. Da hat man doch wirklich mal das Gefühl, fast vom Fahrrad zu kippen. Angesichts dieses ungewohnten Erschöpfungszustandes war das Tsar Bani Resort für uns der Himmel auf Erden. Perfekt ausgestattet, sogar mit einer Selbstversorgerküche, toller Einrichtungsstil, alles nigelnagelneu und das Zimmer mit traumhaftem Bergblick. Das Frühstück am Morgen war auch erste Sahne, jedoch konnte Klaus nicht so richtig davon profitieren. Nachdem wir uns mit perfekter WiFi-Verbindung die vergangenen beiden Heute-Shows angeschaut haben (welch besseren Weg gibt es, sich über die aktuelle politische Lage zu updaten?), rumorte es im Bäuchlein. Nach einer intensiven Begegnung mit der Kloschüssel verlief die Nacht Gott sei Dank ruhig, aber fit ist man danach natürlich nicht.

So waren die Höhenmeter zumindest für Klaus trotz des Sonnenscheins ebenso schwer wie am Abend zuvor. Doch schon bald, auf der berühmten Aussichtsplattform mit einer halbrunden bunt gekachelten Mosaikwand konnten wir die erste Pause einlegen. Hier lernten wir eine äußerst herzliche Berliner Familie kennen und kurz darauf ein slowenisches Pärchen, die allesamt sehr begeistert von unserer Tour waren. Wir fielen eben doch etwas auf unter den „normalen“ Marschrutka-Touristen. Bald darauf erklommen wir den Jvari-Pass auf 2395 m – erneut eine Superlative für uns, der bis dato höchste Punkt! Von da an rollte es fast durchgehend bis Stepantsminda gemütlich bergab und bei großteils gutem Belag konnten wir sogar das imposante Bergpanorama genießen. Im Ort fanden wir problemlos das Büro der „Mountain Freaks“ und fragten nach dem Guesthouse, welches sie auf ihrer Internetseite anpriesen. Glücklicherweise gab es ein Zimmerchen für uns und die Suche war damit beendet. Denn hier war im Prinzip jedes zweite Haus ein Guesthouse und wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual… Zumal es Preisabsprachen zu geben scheint und man noch nicht mal auf dieser Basis irgendwie aussieben kann. Da wir hier ganze drei Nächte verweilen wollten, war uns aber nicht gänzlich egal, wo wir landen würden. Ein Auto kam vorbei, holte uns ab, wir fuhren hinterher und landeten schließlich in „Giorgi’s Guesthouse“. Nach einer Rast beschlossen wir angesichts des Sonnenscheins, noch die berühmte, auf einem Berg thronende Zminda-Sameba-Kathedrale zu erklimmen. Leider war der Weg äußerst steil und der entkräftete Klaus musste etwas leiden, nur um im Touristen-Gewimmel oben festzustellen (es fahren nämlich auch Taxis zu Wucherpreisen die Schotterpiste hinauf), dass der Anblick aus der Ferne eigentlich imposanter ist. Denn hinter der Kathedrale baut sich auch schon der mächtige weiße Gipfel des Kazbeg auf.

Wieder im Ort deckten wir uns bei einem äußerst skurrilen Obst- und Gemüsestand ein. Ein alter, komplett verbimmelter Mann schien kaum mehr des Tagesgeschäfts mächtig und wurde zu allem Übel unterstützt von einem total betrunkenen jüngeren Mann. Dummerweise interessierte ich mich für den hausgemachten Wein, den sie ebenfalls herumstehen hatten, was sie deuteten als: wir wollen verkosten! Es gab also Weißwein, dann Chacha, dann Rotwein – und ich musste alles alleine trinken, weil Klaus natürlich mit seinem Magen noch vorsichtig war. Die Preise waren dann doch zu sehr Wucher, sodass wir nur Obst und Gemüse bezahlten. Da gab es zum Abschied für mich einfach noch einen Rotweinbecher to go mit dazu. Total betrunken trafen wir auf der Straße die beiden sympathischen Jungs aus Memmingen, die sich mit uns das Guesthouse teilten. Sie waren auf dem Weg zum Essen, mussten aber auch schon Schnaps trinken. Mit einem slowenischen Pärchen, das soeben eingekehrt war. Ja ist es denn die Möglichkeit? Damian und Petra hatten uns zwar erzählt, dass sie im Norden des Ortes absteigen würden, aber selbst hier gab es ja noch eine ganze Reihe von Guesthouses. Es war also die bekannte Nadel im Heuhaufen und die Freude auf beiden Seiten war groß, als Klaus und ich mit voll bepackten Tüten in die Gemeinschaftsküche traten. Es folgte ein äußerst süffiger und lustiger Abend, dem auch Michael und Sandro nach ihrem Ausflug beiwohnten. Während die beiden rechtzeitig die Reißleine zogen, saßen wir noch bis in die Nacht mit Damian und Petra zusammen und leerten dabei fast einen 3-Liter-Kanister Wein. Kindzmaruli – unsere neue Lieblingssorte.

Die Folgen am Morgen beim Weckerklingeln waren absehbar: bleierne Müdigkeit, Schwindel, Durst. Während die Jungs putzmunter beim Frühstück saßen, versuchten wir halbwegs klar zu kommen und unsere sieben Sachen für den Tagesausflug zusammen zu packen. Denn um 9 sollte der Jeep/Minibus von den Mountain Freaks Richtung Juta gehen. Gemeinsam mit einem Holländer, einem französischen Pärchen und zwei Finnen wurden wir ordentlich durchgeschüttelt und -gerüttelt auf dem Weg in dieses entlegene Dörfchen. Zunächst sau steil, später wunderbar gemächlich stieg der Wanderweg bergauf bis zum Chaukhi-Bergmassiv, welches noch komplett in Schnee gehüllt war. Die Kombination aus noch leicht ocker-farbenen Wiesen, langsam sprießenden Frühjahrsblühern, dem rauschenden Gebirgsbach, blauem Himmel und schroffen Felsen war erstklassig. Da der Wanderweg schneebedingt eh nicht sehr weit führte und mein rechter Fuß mir ein Schnippchen spielte (eine blöde Schwellung am kleinen Zeh schmerzte in den Wanderschuhen erheblich), bestand unser siebenstündiger Aufenthalt in dieser schönen Natur zum Großteil aus Herumlungern und Genießen. Zurück in unserem Guesthouse mussten wir leider feststellen, dass nach der famosen Besetzung vom Vortag nun Tristesse eingezogen war. Ein älteres unkommunikatives Paar mit konstant herunterhängenden Mundwinkeln hatten wir nun vor der Nase. Beim Abendessen kam dann auch noch eine gefühlte Schulklasse hereinspaziert und wir waren erstaunt, wie viele Schlafplätze im oberen Stockwerk noch zur Verfügung standen. Wir fürchteten schon eine Teenie-Party zum georgischen Unabhängigkeitstag, aber die Meute vergnügte sich lieber draußen. Ach ja, der Unabhängigkeitstag ist natürlich ein Witz, wenn man sich das Verhältnis zu Russland anschaut. Die Russen dürfen hier weiterhin verkehren und walten als wäre es ihr Land, sie dürfen visumsfrei einreisen, Abchasien und Südossetien halten sie weiterhin besetzt, überall wird wie selbstverständlich Russisch gesprochen, alles ist auf russische Touristen ausgelegt. Uns fehlt dafür jegliches Verständnis und so konnten wir diesen Feiertag nicht wirklich ernst nehmen. Die Georgier nutzten ihn natürlich trotzdem für ein ausgiebiges, verlängertes Wochenende.

Am Folgetag hatte unsere Guest House Mutti alle Hände voll zu tun – die gesamte Belegschaft (uns inklusive) wollte irgendwie um 8 frühstücken. Und wir hatten dabei gar nichts Böses im Sinn, sondern wollten eigentlich nur der Empfehlung unserer zwei Memminger vom Vortag Folge leisten. Letztlich war es auch eine gute Entscheidung, denn im Gegensatz zum vorhergehenden Tag, der aus einem bisschen Wandern und viel Entspannen bestand, sollte das Truso-Tal unsere Beine und Füße voll in Beschlag nehmen. Wir wurden am Beginn des Tals mit drei anderen Männern ausgesetzt und ab da galt es kilometerlang, teils bei Regen, entlang der mineralischen Quellen und stinkendem Schwefelwasser durch dieses breite, imposante Tal zu wandern. Wir durchquerten ein fast vollständig verlassenes und zerfallenes Dorf und kamen am Kloster von Ketrisi vorbei, wo uns erwartungsvolle Kinderaugen anstarrten und uns ihre Münder unverständlich voll brabbelten. Nicht mal Russisch konnten sie. Somit war dann jegliche Kommunikation dahin, die Nonnen hatten ihre Hunde Gott sei Dank in Zaum und wir hielten Kurs auf eine Festungsruine, an deren Fuß uns ein Soldat empfing. „Passport!“ Okay, bitteschön. „No photos!“ Ja, gut, du bist eh zu hässlich, um von dir und deinem Militärkabuff Fotos zu machen. Als wir meinen Personalausweis als Pfand da ließen, durften wir sogar zur Burgruine hoch, wie großzügig. Aber von da keinen Schritt weiter. Zu nah war man hier offensichtlich an Südossetien. Auf dem Rückweg kam uns sogar der Fahrer der Mountain Freaks bereits eine halbe Stunde vor der Zeit entgegen. Anscheinend dachte man im Office, uns hätte es total eingeregnet und wir sehnten uns nach einer vorzeitigen Beendigung der Tour. Tatsächlich hatten wir in unserem Tal aber riesiges Glück, während Stepantsminda recht verregnet war. Am Abend hatten wir im Guest House dann wieder ein neues Pärchen vor der Nase, die Fluktuation war sagenhaft. Während wir mit den zwei grummlig wirkenden Isrealis vom Vorabend zum Frühstück aber sogar ein paar nette Worte wechselten, waren diese zwei Russen wirklich derart unzugänglich und unsympathisch, dass uns einmal mehr das Glück bewusst wurde, das wir am ersten Abend mit unserer illustren Gesellschaft hatten.

Am Sonntag, unserem nun mehr 20. Tag in Georgien beschlossen wir, dass wir wirklich keine Lust hatten, die gesamte Heerstraße zurück nach Tbilisi zu radeln. Der erste Teil wäre zwar noch landschaftlich wunderschön gewesen, aber spätestens ab Passanauri hätten wir gerne eine Marschrutka besteigen wollen. Da wir aber nicht wussten, wie gut sowas unterwegs mit unserem leicht sperrigen Gepäck funktionieren würde, versuchten wir direkt unser Glück in Stepantsminda. Leider war unser Umfrage-Ergebnis unter den Fahrern dasselbe wie am Vorabend. Die Hunde sprechen sich natürlich ab… Wir konnten uns mit einer Horde Männer auf 100 Lari einigen, bekamen dafür eine Exklusiv-Fahrt in einem Van mit einem super sympathischen Fahrer, der uns unterwegs noch mit Konfekt verwöhnte, uns nochmal zum Fotografieren bei der Festung Ananuri anhalten ließ (hier erwischte uns ja drei Tage zuvor das Gewitter) und uns direkt durch den kranken Stadtverkehr von Tbilisi zum Fahrradladen „Velo +“ chauffierte. Hier konnten wir uns mit Bremsbelägen und Kettenöl eindecken, nur für Klaus‘ Rückspiegel, der irgendwie beim Tetris-Puzzlen im Van abhanden gekommen war, gab es keinen Ersatz. Der Verkäufer Tamaz war zwar eigentlich auch ein Warm Showers Host, hat aber nach kürzlichen negativen Erlebnissen vorerst beschlossen, niemanden mehr zu beherbergen. So verschlug es uns wieder ins Corner Hostel, wo uns Georg herzlich empfing. Irgendwie war es ein sehr schönes, heimeliges Gefühl auf dieser Reise, wo man jeden Tag ins Neue und Ungewisse startet, an einem Ort einzukehren, den man kennt und an dem man uns kennt. Zum Einstand gab es reinsten hochprozentigen Wodka und den mittlerweile eingesetzten Regen nutzten wir zum Wäsche waschen, Bloggen etc. Hier trafen wir auch ein herzliches weißrussisches Pärchen, die gerade aus Sighnaghi zurückkehrten. Nach einem kurzen Flur-Talk sprangen sie in ihr Zimmer um danach kurzerhand mit einem Geschenk auf uns zuzuhüpfen. Wenn wir die Packung richtig lasen, nannte sich das Ganze „Glubinka lesnaja – Drasche Kliukwa b sacharnou pudre“ – quasi herbe rote Johannisbeeren in Zuckerkruste. Eine süße Spezialität aus Minsk – mitten in Tbilisi. Dankeschön!!!

Wer aufmerksam mitgelesen hat, erinnert sich, dass wir an unserem letzten Abend in Tbilisi eigentlich im schönen Betlehem-Park, von dem aus man einen super Blick über die Stadt genießt, picknicken wollten, dieser Plan aber gewässert wurde. Nun war es endlich soweit. Salat geschnippelt, ab in die Tupperdose und hoch über die Dächer der Hauptstadt! Es war so toll, dass wir nach einem kurzen Spaziergang beschlossen, unseren Sekt und Erdbeeren zu holen und wieder auf unserem Panorama-Bänkchen Platz zu nehmen. Als wir des Nächtens betrunken einkehrten, war Georg noch wach und hatte Lust zu schnacken. Schließlich kamen auch noch unsere lieben Weißrussen leicht trunken heim und wir alle stellten mit Erschrecken fest, wie spät es schon war. Ok, wahrscheinlich waren nur wir angesichts des nächsten Tagespensums wirklich erschrocken….

Zwar lachte schon früh die Sonne am klaren blauen Himmel über Tbilisi, aber durch den Vorabend schafften wir es einfach nicht diese Stadt vor um 11 zu verlassen. Zwar war der Weg aus der Stadt nicht kompliziert, aber anfangs doch von starkem Verkehr gezeichnet. Kurze Krisenstimmung herrschte, als ein Autobahnschild vor uns stand und Klaus mich für diese Routenfehlplanung verantwortlich machte. Doch die Panik war umsonst, da sogar so etwas wie ein asphaltierter Fußweg entlang der Straße führte. Später, als die Route sich zur Landstraße wandelte, nahm der Verkehr leider kaum ab. Im überaus hässlichen Ort Marneuli legten wir eine Mittagspause ein, bei der wir unter starker Beobachtung standen. Lustigerweise traute man sich erst, uns bzw. Klaus anzusprechen, als ich einkaufen gegangen war… War es Angst oder Respekt oder eine Mischung aus beidem? Als wir aufbrachen, bauten sich neben uns bereits unheilvolle Wolken auf, vor denen uns die Flucht leider nur mäßig gelang. Zwölf Kilometer vor der armenischen Grenze „nötigte“ uns ein aserbaidschanischer Obstverkäufer zum Anhalten, um jedem eine Hand voll Erdbeeren und Kirschen zu schenken. Frisch vom Baum gab es noch Maulbeeren dazu. Genau da setzte der Regen ein und im verlassenen Stand nebenan konnten wir uns und die Räder parken. Zwischendurch kam der liebe Mann mit immer neuen Ladungen Erdbeeren und Kirschen. Eine bessere Gewitterpause und einen herzlicheren Abschied von Georgien (wenn auch von Aserbaidschanern bereitet) hätte man sich nicht wünschen können.