Nachdem wir die Botschaften also abgehakt hatten, ging es am nächsten Tag zum Busterminal, wo wir von netten Mitarbeitern fürsorglich durch’s Gewusel gelotst wurden. Prompt hatten wir das Ticket für Kashan und saßen im klimatisierten Bus. Unterwegs gab es Kekse und Saft und zur heißesten Zeit des Tages wurden wir in dieser eher kleinen Stadt abgeladen. Aufgrund mangelnder Host-Bereitschaft auf Warmshowers (irgendwie hatten wir damit kein Glück) wackelten wir gerade die ersten Meter zu einem Guesthouse, da hielt ein Auto neben uns. Der Mann gestikulierte und wir wussten mal wieder nicht, was wir davon halten sollten. Er würde uns gern die Hitze ersparen und dorthin fahren, wo wir hinmussten. Wir sollten keine Angst haben (er merkte uns die Skepsis an). Aus einem „ich fahre euch mal kurz irgendwohin“ wurde ein „Ach kommt, lasst uns zusammen Mittag essen. Wir holen nur noch eben meine Frau ab, dann fahren wir zu meinem Sohn, da ist dann auch meine Schwiegermutter. Es gibt den leckersten Kebab, den ihr je gegessen habt. Und Rosenwasser. Und wisst ihr was, wir können zusammen nach Qamsar fahren, da habe ich ein Haus in den Bergen. Ihr könnt dort schlafen, kein Problem. Es ist viel schöner als in Kashan. Und morgen früh, wenn ich meine Frau zur Arbeit bringe, setze ich euch bei den traditional houses ab und ihr könnt sie ganz in Ruhe besichtigen, bevor es zu heiß ist. Danach bringe ich euch zum Bus Terminal. Nein, erst können wir noch meine Eltern besuchen, sie sind alt und freuen sich über Abwechslung“.  Ja, so ist unser Aufenthalt wahrscheinlich ganz gut zusammengefasst. Unglaubliche Gastfreundschaft!!! Jetzt wussten wir, wovon alle Iran-Urlauber immer schwärmten. Die Familie besaß ein Haus in Kashan, dessen obere Etage sie vermieteten und in dessen unterer Etage der Sohn auf einer großzügigen Wohnfläche sein Studentendasein fristete. Der Sohn organisierte den leckersten Kebab Kashans, nein ganz Irans und nach dem gemeinsamen Mittagessen fuhren wir nach Qamsar, welches vor allem für seine Rosen und die entsprechenden Erzeugnisse (Rosenwasser, -öl, -sirup, -kosmetik) bekannt ist. Leider waren wir einen Monat zu spät, um die riesigen Rosenfelder in voller Blütenpracht betrachten zu können. Unterwegs gab es noch ein Eis, bevor wir zu Mohammeds Villa einbogen. Ja, es überstieg die Ausmaße eines normalen Wohnhauses. Mehrere Schlafzimmer unter denen wir frei wählen konnten, mehrere Badezimmer, zwei riesige Wohnzimmer samt Küche, eine wunderschöne Terrasse mit herrlichem Ausblick über das Städtchen und die umliegenden Berge. Aber all der Luxus schuf nur angenehme Rahmenbedingungen. Wirklich wohl gefühlt haben wir uns einzig und allein durch diese herzliche Familie. Mohammed konnte man durch seine zahlreichen internationalen Geschäfte zurecht einen Mann von Welt nennen, gebildet und dem aktuellen System gegenüber kritisch. Seine Frau war eine Seele von Mensch, eine stoische Ruhe ausstrahlend und unglaublich großherzig. Der jüngere Sohn lebte noch im Haus und lernte für die Aufnahmeprüfung an der Uni und war etwas zurückhaltend, vielleicht auch wegen mangelnder Englischkenntnisse. Bis auf Mohammed und seinen jüngeren Bruder, den wir am nächsten Tag kennenlernen durften, sprach leider auch niemand in der Familie wirklich Englisch, sodass Mohammed oft den Dolmetscher spielen musste.

Was Mohammed weiterhin als großartigen Gastgeber auszeichnete, war, dass er uns genügend Freiraum ließ. Man sah uns womöglich die bleierne Müdigkeit an, die sich für uns ganz ungewohnt nun immer im Tagesverlauf aufgrund der Hitze auf uns legte. Wir alle grunzten bis zum Anbruch des Abends unser Nachmittagsschläfchen und als es dunkel war, fuhr er mit uns noch zu den beleuchteten Kaskaden von Qamsar, für die wir dank ihm keinen Eintritt zahlen mussten. In dem Gelände gab es Restaurants, große Hallen für Hochzeiten und einen Zoo, in dem wir Kamele, Dromedare, Ziegen u.v.m. beobachten konnten. Zu unserer Überraschung waren auch die anscheinend nachtaktiv – genauso wie die vielen Kashaner, die, um der Hitze zu entfliehen, nach Kashan kommen, picknicken und ihr Zelt ausbreiten. Wieder bei unseren neuen „Gasteltern“ (denn so hat es sich angefühlt), gab es ein kleines feines Abendbrot gekrönt von einem für die Region typischem Eis: es ist dreigeteilt wie unser Pückler-Eis, nur ohne Waffeln. Die weiße Schicht ist Kokos, die dunkle Schokolade und die gelbe, wie sollte es anders sein, Safran. Safran und Pistazie sind hier sowieso zwei äußerst beliebte und gängige Eissorten, für die bei wahrscheinlich aufgrund der teuren Zutaten immer ein Aufschlag verlangt werden würde (zumindest bei der Pistaziendichte im Eis, denn es ist nicht nur grünlich gefärbt wie das bei uns zuhause).

Nach vielen interessanten Gesprächen und einer kurzen Nacht traten wir pünktlich 6.15 Uhr wie von Mohammed befohlen zum leckeren Frühstück an. Wie schade, dass man um die Zeit noch nicht so viel herunterbekommt. Trotz Alltagsstress hatte seine Frau uns ein Sonntagsfrühstück kredenzt. In Kashan setzten wir sie pünktlich zum Arbeitsbeginn am Krankenhaus ab und Mohammed fuhr uns zu den „traditional houses“, für die Kashan so bekannt ist. Wir kauften das Kombi-Ticket für das Tabatabaies‘ House, das Hamam (Badehaus) von Sultan Amir Ahmad und das Abbasies‘ House. Vor allem in ersterem genossen wir noch exklusives Besuchsrecht, früh halb 8 war einfach noch kein Tourist unterwegs. Perfekte Fotobedingungen! Wir lernten über die Häuser, dass es jeweils einen Familien- und einen Gästebereich gab, wer denn so reich war auch noch einen Trakt für die Bediensteten. Die Bereiche waren jeweils über separate Eingänge zu erreichen und auch optisch voneinander getrennt. Jegliche Architektur war symmetrisch angelegt und den Jahreszeiten angepasst. Es gab immer einen Sommer- und Winterbereich, wobei wir uns bei unserem Besuch auch eher im Sommerbereich aufhielten – unterirdische Räumlichkeiten, die dennoch lichtgeflutet waren. Zuletzt begutachteten wir noch das „Eishaus“, eine riesige Lehmpyramide, in der bis in den heißen Sommer hinein das Eis des Winters gelagert wurde, sowie die alte Stadtmauer. Für Erfrischung wollten wir mit einem Karotteneis sorgen. Wir hatten keine Ahnung was uns erwartete. Skeptisch beobachteten wir, wie der Verkäufer das uns schon bekannte dreifarbige Blockeis in den frisch geschredderten Möhrensaft tauchte. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Es war tatsächlich sehr lecker, erfrischend und sogar noch gesund. Zu gesund für Klaus, seinen restlichen Möhrensud durfte ich leeren.

Nach unserem Touristenprogramm sollten wir Mohammed anrufen. Dieser wollte uns schließlich unbedingt noch mit zu seinen Eltern nehmen. Die beiden waren bereits 90, die Mutter leider kürzlich an Krebs erkrankt und häufig müde. In dem ebenfalls sehr großen Anwesen wohnte aber Mohammeds Schwester mit ihrer Familie, sodass immer jemand um die beiden herum war. Während Mohammed seine Frau von Arbeit abholte und mal wieder für die gesamte Meute Kebab auftrieb, purzelten Stück für Stück immer mehr Familienmitglieder herein, sodass es selbst in der riesigen Wohnung schon fast „eng“ wurde. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob der große Auflauf wegen uns zustande kam oder wegen des beginnenden Wochenendes. Denn es war Donnerstagmittag, wo im Iran normalerweise alles stehen und liegen gelassen wird. Dieser halbe Tag und Freitag bilden das Wochenende, obwohl es Bestrebungen gibt, den Samstag als Wochenendtag einzuführen, um die wirtschaftliche Anschlussfähigkeit an den Rest der Welt zu verbessern. Soweit wir das mitbekamen, bislang ohne Erfolg mit Ausnahme der Botschaften in Teheran, die von Sonntag bis Donnerstag geöffnet waren.

Als wir mit dem Mittagessen fertig waren, war es tatsächlich schon um 3 und wir hatten eigentlich damit gerechnet, schon etwas eher den Bus nach Isfahan zu bekommen, wo wir uns endlich mit Patrick und Rosie wieder treffen wollten. Als Mohammed dann noch meinte, dass wir jetzt gemütlich den obligatorischen Tee trinken, mussten wir ihm diesen Wunsch, langsam Kashan zu verlassen, dann doch mal wieder ins Gedächtnis rufen. Denn eigentlich wollte er uns direkt nach dem Besuch bei den Eltern am Busterminal absetzen. An sich war die Verzögerung nicht so schlimm, da Patrick und Rosie sowieso den Tag in einer Moschee verschliefen (nach mehreren Nachtfahrten mit Zug/Bus waren sie doch etwas gerädert), jedoch kündigte unser Warmshowers-Host Ali an, nur bis 19 Uhr zuhause zu sein. Bei drei Stunden Fahrtzeit bedeutete das für uns: nichts wie los! Aber Mohammeds Bruder beruhigte uns, indem er für den 16 Uhr-Bus per App Sitzplätze reservierte. Wir schlürften hastig den heißen Tee und mit Verbrennungen mittleren Grades am Gaumen düsten wir zum Terminal. Natürlich lag keine Reservierung vor und der Bus war voll. Nun hieß es bis 16.30 Uhr warten und es war aussichtslos, noch rechtzeitig in Isfahan anzukommen. Allerdings hatten wir mit Ali uns seiner Frau Narges so verständnisvolle und liebe Gastgeber erwischt, die nicht nur solange zuhause ausharrten, bis wir kamen, sondern uns auch noch vorm Terminal abholten! Nach einem leckeren Melonen-Snack und dem ersten Kennenlernschnack boten sie uns an, mit zu ihrem Abendevent zu kommen. Der Grund, weshalb sie nämlich eigentlich 19 Uhr schon weg sein wollten, war die Eröffnung eines schnieken Cafés am anderen Stadtende. Die stolze Besitzerin war Alis Tante, die mehrere Jahre in den USA lebte und gleich mal ein paar Einflüsse mit herüber brachte. Neben dem ersten richtig guten Kaffee seit langem gab es Cupcakes und super leckeres Eis frei Haus. Welch genussvoller Abend! Schließlich wurden wir noch mit zu Narges’ Mutti und Schwester genommen, wo es noch einen Sandwich-Snack und natürlich wieder viele interessierte Fragen gab. Auf der Autofahrt zurück schliefen wir gnadenlos ein und waren froh, am nächsten Morgen nicht die Frühaufsteher sein zu müssen…

… Die waren nämlich Ali und Narges, die super diszipliniert die halbwegs angenehmen Morgenstunden für eine Joggingrunde nutzten. Danach gab es French Toast und die beiden konnten uns glücklicherweise an der Vank-Kathedrale im armenischen Viertel Jolfa absetzen, da sie eh in die Richtung zum am Wochenende obligatorischen Elternbesuch fuhren. Hier trafen wir endlich unsere Fahrradfreunde wieder, die leider am Vorabend zu müde waren, um den Weg ins Café auf sich zu nehmen. Armenisches Viertel + Rosick = doppelt heimisches Gefühl. Wir zelebrierten unser Wiedersehen bei einem leckeren Mittagessen und liefen, oder besser schwitzten der Si-o-se-Pol-Brücke entgegen. Das Flussbett war natürlich wie üblich zu dieser Jahreszeit ausgetrocknet. Schließlich rundeten wir den Spaziergang mit dem Naqsh-e-Jahan-Platz ab, der von Basaren, dem Aali Qapu-Palast und den berühmten zwei Moscheen Ngshshe-e Jahan und Sheikh Lotfollah umgeben ist. Wir gönnten uns Granatapfelsaft und entspannten gemeinsam, ließen uns auf dem Basar Teppiche vorführen und vergaßen die Zeit derart, dass wir die Öffnungszeiten der Moscheen glatt verpassten. Ärgerlich, wenn man einen Tag in seinem Leben in Isfahan ist. Andererseits sind die Eintrittsgelder mit mittlerweile 200.000 Rial, umgerechnet rund fünf Euro für Touristen unverschämt hoch, während Einheimische nur 20.000 Rial, also 50 Cent zahlten. So haben wir uns wenigstens das Geld gespart und konnten es stattdessen in ultraleckeres (Soft-)Eis investieren. Rosie und Patrick hatten leider bereits einen Nachtbus zurück nach Teheran gebucht, da sie sich nun endlich im ihre Visa-Anträge kümmern mussten. Gerne hätten wir noch mit ihnen den Abend ausklingen lassen, denn die gemeinsame Zeit war viel zu kurz und wir hatten ja dank der Turkmenen keine Ahnung, ob sie jeweils wiederkommen würde.

Nachdem wir die genannten Sehenswürdigkeiten jeweils nochmal bei Nacht betrachteten und vor allem dem wilden Picknicktreiben auf dem Naqshe-e-Jahan-Platz zuschauten, mussten wir irgendwie den Heimweg zu Ali und Narges finden. Busse waren um die Zeit nicht mehr auszumachen und nach den vielen Kilometern, die wir hin und her gelatscht waren, wollten wir uns die sieben Kilometer durch nicht gerade schöne Großstadtstraßen zu Fuß gerne ersparen. Nach einigem Fragen fanden wir ein Taxi, das uns für 100.000 Rial (also etwas mehr als zwei Euro) mitnahm. Danke an Patrick, der uns gesagt hat, dass ein Taxi durch die Stadt keinesfalls mehr kosten sollte. Nach einem kurzen Schnack mit Ali, der noch auf uns gewartet hatte, fielen wir geschafft ins Bett.

Eine glückliche Fügung wollte, dass Narges am nächsten Tag trotz Semesterferien einen nachträglichen Uni-Kurs nicht weit von unserem Zielort Varzaneh abhalten sollte, sodass Ali uns anbot, uns bei dieser Gelegenheit gleich in unser Wüstendort zu fahren. Da sagten wir natürlich nicht nein, wurden jedoch von schlechtem Gewissen beschlichen, als wir dann auf den Schildern sahen, dass „gleich daneben“ bei motorisierten Iranern eben auch mal 30 km Distanz bedeuten können. Dafür luden wir ihn zum Mittagessen in Varzaneh ein. Nachdem es schwer war, überhaupt eine offene Gaststätte/Imbiss zu finden, erwartete uns im Kellerrestaurant die Iran-typische Vielfalt: Kebab mit Reis, Hühnchen-Kebab mit Reis, Hühnchen mit Reis oder Fisch mit Reis. Wo der frische Fisch im Wüstendorf herkommen sollte, wollten wir lieber nicht wissen und blieben bei Kebab und Hühnchen. Im Guesthouse Chapaker angekommen, wurden wir vom Wirt Reza mit Wasser- und Guadeloupe-Melone begrüßt. Am späten Nachmittag startete unsere Tour mit Khalil, Rezas Neffen, der mit uns zum Salzsee fuhr, der jedoch optisch nicht mit dem Urmia-See vergleichbar war. Hier war das Wasser zum Großteil unter der Oberfläche. Die Arbeiter, die hier das Salz abtransportieren luden uns noch auf einen Tee in ihr Kabuff ein, welche wir aus reiner Nettigkeit annahmen, den Khalil meinte, sie hätten extra auf uns mit der Schließung des Tores gewartet. Als einer der beiden Kaputtnicks auch noch mit Opium rauchen anfing, schlürften wir so schnell es ging die Teegläser aus und suchten das Weite. Und endlose Weiten boten uns tatsächlich. Im Abendsonnenschein kraxelten wir auf die Sanddünen und genossen eine bis dato ungekannte Aussicht. Unsere erste Wüste! Rodeln konnten wir im Sand dank des zur Verfügung gestellten „Surfbrettes“ auch noch. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit zeigte uns Khalil noch zu einem sog. Pigeon Tower, also einem Taubenturm. 30.000 Taubenpaare wurden hier in kleinen Löchern in den Wänden gehalten, um deren Kot zu Düngerzwecken zu sammeln – äußerst clever! Umgeben war der Turm von kleinen Lehmhäusern, die erst seit wenigen Jahrzehnten nicht mehr bewohnt werden. Diese waren wiederum von einer großen Verteidigungsmauer umgeben. Da gab uns Khalil den Tipp, doch am nächsten Morgen eine noch viel größere Zitadelle dieser Art zu besichtigen… Erst mal sollten wir aber zu den anderen beiden Touristen zum Barbecue in der Wüste stoßen. Lisa und Julie waren deutsche Studentinnen, die heute trotz Sandsturmes auf Teufel komm raus die gebuchte Wüstenübernachtung durchziehen wollten. Sie harrten schon eine Weile mit Khalils Vater aus, als wir dazu stießen. Doch der Sturm wurde eher schlimmer statt besser und wir hatten schon beim Versanden unseres Teebechers keine Lust mehr, hier länger zu bleiben. Schließlich zogen wir um ins Gartengrundstück der Familie, wo uns ein ungewöhnliches Haustier begrüßte. Ein Stachelschwein ist hier heimisch geworden und verstand sich offenbar super mit seinem Kumpel, dem Wachhund. Abgefüllt wurden wir zu vorangeschrittener Uhrzeit mit sehr leckerem Hühnchen-Kebab, Auberginen, Tomaten und natürlich Unmengen Brot. Nachdem uns Khalil am Guesthouse abgesetzt hatte, hieß es Abschied nehmen von diesem smarten, witzigen Kerl, mit dem wir eine Menge Spaß und interessante Gespräche hatten und dem wir trotz seines bevorstehenden Armee-Schicksals alles Gute für die Zukunft wünschen.

Gemeinsames Frühstück gab es am nächsten Morgen von Reza für uns sowie die zwei Wüsten-Übernachterinnen. Wir konnten sie überzeugen, dass die Zitadelle einen Besuch wert war, bevor wir uns nach Na’in fahren ließen. Ein weiterer Bruder von Reza spielte jedoch nicht nur Taxi, sondern gab sich in der beeindruckenden Zitadelle von Ghortan trotz nicht vorhandener Englischkenntnisse, allergrößte Mühe, uns durch das Areal zu führen und uns zumindest basal das ein oder andere zu erklären. Danach setzte er uns an der Polizeistation an der Hauptstraße nach Yazd ab, wo wir nur ein paar Minuten auf den nächsten Bus warten mussten. In Yazd angekommen, schnappten wir uns das nächste Taxi zum Silk Road Hotel, wo die beiden Mädels mit uns das etwas gruselige Dorm im Keller bezogen. Aber wenigstens war hier das Klima zum Schlafen angenehm, nachdem wir nun drei Nächte in Folge immer wieder durch Hitzewallungen erwacht waren. Die größte Hitze warteten wir noch im schönen grünen Innenhof unseres Hotels ab, bevor wir am Abend durch die romantischen kleinen Gässchen spazierten, die hier von den alten Lehmhäusern gebildet wurden. Endlich einmal ein wirklich schönes und authentisches Städtchen, dass nicht nur ein paar Sehenswürdigkeiten inmitten hässlicher Großstadtarchitektur, sondern ein intaktes historisches Ensemble zu bieten hatte. Die Stadt schien erst wie leergefegt, bis wir zum Amirchakhmaq-Komplex kamen. Hier wuselten alle herum, machten Selfies, genossen Eis oder gingen zum Shoppen.

Früh am Morgen besuchten wir die Jame-Moschee, die direkt neben unserem Hotel lag. Hier bekamen wir eine kleine Privatführung in gebrochenem Englisch und trafen den australischen Backpacker wieder, der uns am Abend zuvor auf der Straße angesprochen hatte. Er war Lehrer und musste jetzt die Sommerferienzeit zum Reisen nutzen, hatte Frau und Kinder jedoch zuhause gelassen. Sein perfektes Deutsch war einem längeren Aufenthalt in Deutschland zu verdanken. Er dampfte mit einer iranischen Freundin ab, während wir nach dem Bewundern der Kuppeln den Zugang zum unterirdischen Wassersystem entdeckten. Über ganz Yazd sind diese langen, tief hinabführenden Treppenanlagen verteilt.

Eher zufällig stolperten wir über das Museumshotel Fahadan. In diesem luxuriösen Gebäude kann man für 20.000 Rial (endlich mal nicht 200.000!) nicht nur die schönen Innenhöfe betrachten, sondern auch die Windtürme – sowohl von oben auf dem Dach als auch von innen. Gerade als wir am Ende unseres Rundgangs auf den Sofas unterhalb des Windturmes Platz genommen hatten und die Luftbewegung genossen, kam ein verrückter iranischer Charlie Chaplin auf uns zu. Dieser gab uns nochmal eine private, aufschlussreiche Führung. Zum Beispiel wussten wir vorher nicht, dass die Zimmer mit fünf Türen, die den Hof umgaben, für die reicheren Gäste vorgesehen waren und die mit drei für die ärmeren. Er zeigte uns die luxuriösesten Zimmer, in denen man sich fühlen konnte wie ein Königspaar und hielt ein richtiges Fotoshooting mit uns ab. Entweder er gab Klaus Anweisungen für die beste Perspektive oder er nahm die Kamera selbst in die Hand und dirigierte uns. Er war ein wahrlich verrückter Hund und plauderte wie ein Wasserfall, sodass wir nach dieser sehr eindrücklichen Führung auch erst mal wieder eine Pause brauchten.

Am späten Nachmittag besuchten wir das „ewige Feuer“ der Zarathustrier, das angeblich schon seit 1500 Jahren brennt. Die Flamme an sich ist nicht so beeindruckend wie die Einführung in den Zoroastrismus im kleinen Museum nebenan. Hier erfuhren wir z. B. dass das iranische Neujahrsfest, Nowruuz, auf die Zarathustrier zurückgeht. Nach dem Bildungsprogramm ließen wir den Tag auf dem Dach des Traditional Cafés mit leckeren alkoholfreien Drinks und Blick auf die umliegenden Kuppeln, Moscheen und Windtürme ausklingen.

Bevor wir Yazd endgültig verließen, stand noch ein wichtiger Programmpunkt an: die Towers of Silence, also Türme des Schweigens am Rande der Stadt. Erst mit der islamischen Revolution wurde hier das Begräbnisritual der Zarathustrier verboten. Auf den beiden thronenden Türmen wurde der gewaschene Leichnam aufgebahrt, um von Vögeln zerfressen zu werden, bevor man nur noch die übrig gebliebenen Knochen vergrub. Von dieser imposanten Stätte ging es zum Busterminal und schließlich in die letzte Stadt auf unserer Route: Shiraz.

Angekommen am Busterminal, sollten wir Amin Bescheid geben, unsere Bekanntschaft aus dem Hotel Mehr in Teheran. Er holte uns mit dem Auto ab und dann geschah leider etwas, das wir so nicht erwartet hätten. Wir hatten ja bereits bei ihm angefragt, da er mal beiläufig erwähnte, Couchsurfing-Host zu sein, ob die Möglichkeit bestünde, bei ihm zu übernachten. Er meinte, dass er nun nicht mehr hostet, da er keine eigene Wohnung mehr hat, sondern wieder im Haus seiner Eltern lebt und sie nun erst mal fragen müsste. Kein Problem, für den Fall, dass es nicht klappt, fragten wir ihn zu seiner Meinung zum Niayesh-Hotel, das mit seinen Dorms für Budget-Traveler empfohlen wird. Er versuchte via WhatsApp und auch als wir bei ihm im Auto saßen, uns dieses Hotel auszureden, da es in einem gefährlichen Viertel der Stadt liegen würde, wo man nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße sollte. Wir waren skeptisch, wo es doch in Schlagdistanz zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten lag und allen Ortes (TripAdvisor, Lonely Planet etc.) wärmstens empfohlen wird. Weiterhin schwärmte er davon, dass wir in Shiraz das beste iranische Essen unserer Reise genießen würden und dass man dieses natürlich nur zuhause und nicht im Restaurant bekäme. Das i-Tüpfelchen war, dass er uns sogar den eigentlich verbotenen Shirazer Wein in Aussicht stellte. Rückblickend diente alles nur dazu, um uns langsam aber sicher auf sein Angebot vorzubereiten: Er hätte seine Eltern gefragt. Also wir könnten ja unser eigenes großes Zimmer bekommen, mit Badezimmer und drei hausgekochten Mahlzeiten – und das alles für schlappe 50 Dollar pro Tag! Wir waren baff, im negativen Sinn. Ziehen wir Scheiße magisch an? Wie können wir bei so einem herzlichen Land ständig an irgendwelche seltsamen Gestalten geraten? Wir lehnten dankend ab, hielten unsere Entrüstung jedoch erst mal der Höflichkeit halber zurück und meinten, dass wir dann doch gerne im Mehrbettzimmer des Hotels schlafen würden. Dabei hatten wir ihm eigentlich erklärt, dass wir gerade auf unser Geld achten, da es im Falle der Visumsablehnung geheißen hätte: ab mit dem Flieger nach Duschanbe und das ohne die Möglichkeit, nochmal Bargeld abzuheben. Selbst als wir ihn fragten, wo man gut und günstig Abendessen könnte, war seine einzige Empfehlung ein Imbiss direkt bei seinen Eltern, also am Rande der Stadt mit dem Hinweis, dass ab 20 Uhr keine U-Bahn mehr fährt, also erneut der Versuch, uns zu einer Übernachtung zu überreden. Wir hatten genug, sagten ihm, wir seien müde und würden den Abend gerne entspannt ausklingen lassen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir seine Unverfrorenheit noch gar nicht richtig realisiert und verabredeten uns noch zum Sightseeing am nächsten Tag. Als wir die vergangene Stunde Revue passieren ließen, wurde uns aber immer klarer, dass die nette Bekanntschaft aus Teheran, die sich ständig bei uns meldete mit den Worten „Tell me when you arrive in Shiraz, so I can arrange stuff“, kein herzlicher Gastgeber, sondern einfach nur ein Halsabschneider war. Wir fühlten uns an die Alan-Story erinnert und beschlossen, nicht wie geplant drei, sondern nur zwei Tage zu bleiben und unser eigenes Ding zu machen.

Am nächsten Morgen wollten wir zur Pars Tourist Agency, um uns zu erkundigen, wie wir am besten nach Persepolis kommen, ob das mit dem Bus nach Teheran kombinierbar ist und schließlich wie unsere Flugoptionen im Falle einer Visa-Absage für Turkmenistan aussahen. Danach ging es mit Minibus und Taxi für insgesamt nicht einmal drei Euro nach Persepolis. Trotz der Mittagshitze waren wir gewiss nicht die einzigen, die hier durch die Ruinen dieser uralten Palastanlage schlurften. Wir konnten uns beim Anblick der nur wenigen erhaltenen Säulen und Pforten kaum vorstellen, dass diese Zerstörung „nur“ durch ein im Übereifer der Siegesfeierlichkeiten von Alexander dem Großen ausversehen ausgebrochenes Feuer verursacht wurde. Wir sind eher Anhänger der zweiten Theorie, dass es mutwillig als Rache für die Zerstörung der Akropolis geschah. Wir trafen auch Jan und Yannik aus Leipzig wieder, die zwei netten Leipziger Jungs aus unserem Dorm, die gerade drei Monate mit eigenem PKW in die Mongolei fuhren. Nachdem wir ordentlich abgeschwitzt hatten, ließen wir uns von einem netten Rentner, der sich mit Taxi-Fahrten etwas zur schmalen Pension dazu verdiente, für einen fairen Preis nach Shiraz zum Grab des Hafez bringen. Gerne hätten wir uns eigentlich mit diesem wichtigen Dichter näher befasst, zumal er in einer Schaffenskrise Goethes einst zu dessen Inspiration beitrug. Jedoch wollte man für diese Anlage erneut 200.000 Rial Eintritt, was uns eindeutig zu viel war. Wir liefen zum Hotel zurück und nutzten die Zeit lieber für Planung und Recherche. Es hatte nämlich immer noch kein Warmshowers-Host in Teheran geantwortet und Mohammeds Bruder war auch nicht in der Stadt. Wir überlegten, ob ein Ausflug mit Zelt-Ausrüstung in den Lar-Nationalpark lohnte, hatten aber Zweifel, ob wir dann rechtzeitig Sonntag früh zur Turkmenischen Botschaft kämen. Aber wir wollten gewiss nicht Freitag und Samstag in der Stadt zu bringen. Da kam uns die Erleuchtung: warum nicht in Kashan aus dem Bus springen und noch einmal Mohammed besuchen? Sofort antwortete er, dass es ihm eine Freude wäre, uns zu empfangen.

Den gesamten Donnerstag versuchten wir immer wieder die turkmenische Botschaft telefonisch zu erreichen, was jeweils darin endete, dass man den Hörer abnahm, aber anscheinend sofort ablegte, sodass ja Guthaben abging. Beim darauffolgenden Versuch war jeweils besetzt (logisch, der Hörer lag wahrscheinlich noch neben dem Telefon). Wir nutzten die frühen Morgenstunden für den Besuch der „pink mosque“, kehrten für Frühstück Nummer 2 sowie eine Dusche ins Hotel zurück, um wiederum zum Heiligen Schrein und Vakil-Hamam aufzubrechen. Leider mussten wir bei Standardeintrittspreisen von 150.000 bis 200.000 Rial (also rund 4 bis 5 Euro) hinsichtlich der Sehenswürdigkeiten ganz schön selektieren, denn wenn man alles mitnimmt, wird man vor allem in den großen Städten Shiraz und Isfahan wirklich arm. Rechtzeitig schlurften wir noch zur Pars Travel Agency um unsere Ticket in eines für Kashan umbuchen zu lassen in der Hoffnung, wenigstens etwas Geld zurückzubekommen. Leider war man dazu nicht im Stande, sondern machte uns eher noch wuschig mit der Aussage, es gebe heute Abend keinen Bus mehr nach Kashan und unserer würde gar nicht über Kashan fahren. Wie bitte? Wir dachten, die Städte liegen alle auf einer Linie? War natürlich auch so, der Dödel am Schalter hatte nur keine Ahnung und der nette Busfahrer ließ uns bereitwillig im Morgengrauen an der Abfahrt hinaus und rief uns sogar vorher noch ein Taxi. Aufgrund von Kommunikationsproblemen haben wir übernächtigten gutgläubigen Touristen vorher den Preis nicht ausgehandelt und mussten bei den 500.000 Rial am Ende erst mal schlucken. Gleichzeitig waren wir aber nicht in der Laune zu diskutieren.

Natürlich sammelte uns Mohammed, kaum dass wir ihm eine Ankündigungs-SMS geschickt hatten, von der Straße auf. Dabei war es gerade einmal um 6 und wir haben mehrfach betont, er soll seinen Wochenend-Morgen genießen. Immerhin hat man im Iran nur den Freitag komplett frei. Wir durften duschen, Schlaf nachholen und dann wurde uns sogar noch das Frühstück gebracht. Die Fürsorglichkeit kannte mal wieder keine Grenzen. Danach wollte uns Mohammed ein bisschen die Umgebung zeigen: gemütliche Dörfchen (teilweise mit eigener Religion), imposante kahle Berge, die durchzogen waren von saftig grünen Tälern und plätschernden Quellen und Bächen. Das Mittagessen gab es wie üblich am Nachmittag – die Zeitrechnung ist hier wirklich eine andere. Und während man bei uns mal zum Sonntag seine Eltern oder Schwiegereltern besucht, versammelt sich hier ein ganzer Familienzweig. Nachdem wir eine Woche zuvor bereits Mohammeds Seite kennengelernt haben, war nun seine Frau dran. Und vor allem war sie dran mit kochen. Viele Stunden bekamen wir sie gar nicht zu Gesicht, weil sie sich ins Zeug legen musste wie wir uns sonst zu Geburtstagspartys. Es gab ein großes Büffet und uns als Gästen gebührte die Ehre, es zu eröffnen. Ein bisschen unangenehm ist das ja schon, wenn alle zuschauen, wie man versucht, das kleinste Stück Hühnchen herauszufischen, wenn es einfach nur riesen Brocken gibt. Man will ja nicht als Vielfraß dastehen. Aber sich wenig auf den Teller zu laden, nützt auch nichts, da die Gastgeber nicht müde werden, einem ständig immer wieder neue Batzen von diesem und jenem auf dem Teller zu schaufeln. Danach lagen alle im Fresskoma, äh, Mittags-, bzw. eher schon Frühabend-Schlaf, bevor zur Teatime gerufen wurde. Danach erklommen die besonders Motivierten den „Hausberg“, der sich direkt hinter dem Palast der Familie erhob. Mit Amin, dem älteren Sohn, Mohammed, der süßen Nichte Mascha und deren Vater stiefelten wir hinauf. Dabei war unser Problem weniger der Anstieg – wir hatten deutlich mehr Puste als der Rest der Familie, was uns ein bisschen die Sorge nahm, dass wir jetzt total in unserer Form abgebaut haben. Jedoch hatten wir nur unsere Wandersandalen, die uns null gegen das piksende Gewächs und Gestrüpp schützte, welches den Berg überzog. Wieder mit den anderen versammelt, machten wir das Nachtleben von Qamsar unsicher. Wir gönnten uns im Lieblingsshop der Familie das bekannte Kashan-Eis, beobachteten die in unfassbaren Massen aus Kashan herbeigeströmten Picknick-Massen auf jedem erdenklichen Fleck der Stadt und kehrten bei einer Rosenwasserdestillerie ein. Für uns gab es extra eine Einführung auf Englisch und bei leckerem Tee ließen wir den Abend im Garten der Anlage ausklingen.

Wir frühstückten mit Mohammed, seine Frau war bereits wieder fleißig auf Arbeit. Das war unsere Chance, endlich einmal mit anzupacken. Unter seinem Protest setzten wir uns aber durch und erledigten fix den Abwasch, damit die gute Seele des Hauses nicht schon wieder einen Berg Arbeit vor sich hatte, wenn sie nach Hause kam. Ansonsten war es aber wirklich schwierig, irgendeinen Handgriff zu machen oder sich auch mal mit einer Einladung erkenntlich zu zeigen. Jeder Versuch wurde im Keim erstickt. Gast sein ohne schlechtes Gewissen fällt da schon ein bisschen schwer. Immerhin waren wir dieses Mal gut vorbereitet und hatten ein süßes Mitbringsel aus Shiraz im Gepäck.

Mohammed brachte uns zum Fin-Garten, den wir nach Meinung aller unbedingt noch sehen sollten. Auch wenn wir gerne noch weiter wandernd die Gegend erkundet hätten, so mussten wir uns doch eingestehen, dass unsere Outdoor-Sandalen angesichts von Sand, Geröll und Dornen nicht das beste Schuhwerk für diese Berge waren. Also komplettierten wir das Sightseeing-Programm mit dieser Gartenanlage, die von einer ergiebigen Quelle gespeist wird und nach dem Vorbild eines persischen Paradiesgartens ausgebaut wurde. Im kleinen Hamam stellen Puppen die Ermordungsszene des Reformators Amir Kabir dar. Unter einem schmuckreich verzierten Kuppelbau genossen wir das Plätschern der Wasserspiele, bevor wir uns wieder von Mohammed aufsammeln ließen, der unterdessen in seiner Fabrik nach dem Rechten gesehen hatte. Gemeinsam schlenderten wir noch über den Basar, was sich trotz der vielen Basare, die wir mittlerweile gesehen hatten, absolut gelohnt hat, denn dieser besaß einen ganz eigenen, nostalgischen Charme. Wir holten Mohammeds Frau vom Krankenhaus ab und nahmen zum Lunch den Klassiker mit nach Qamsar: Kebab! Am Abend ging es zur Geburtstagsfeier ins Sofrehkhaneh, wo eine große Völlerei ins Haus stand. Etwas unangenehm für uns war, dass wir das Gefühl hatten, viel mehr im Mittelpunkt zu stehen als die eigentlichen Gastgeber. Mohammed war sowieso der Unterhalter für die etwas schweigsame Runde und wenn wir es richtig deuteten, hatte er ständig Fragen über uns zu beantworten oder erzählte, was wir so gemeinsam unternommen haben. Dabei sollte sich dieser Abend doch nicht bloß um die zwei verrückten deutschen Radfahrer drehen. Selbst als wir gingen fühlten wir uns mal wieder wie Shootingstars, alle wollten Fotos mit uns oder die, die nicht mit uns auf dem Bild waren, fotografierten, wie wir mit den anderen posierten. Besonders goldig war die schüchterne 13-jährige Mascha, die nun immer häufiger ihren Mut zusammennahm, um mir kleine Liebesgeständnisse zu machen. Oder auch Amin, der ältere Sohn, der Klaus sicher super gern als Kumpel da behalten hätte, mit dem er gemeinsamen Hobbys wie Wandern oder Gitarre spielen nachgehen könnte. Immer wieder fielen nun Sätze wie „We will miss you“ und wir hatten wirklich das Gefühl, mittlerweile Teil der Familie zu sein. Die gütigen Blicke, die lieben Gesten und die lustigen Gespräche, auch wenn sie leider oftmals nur über unseren Dolmetscher Mohammed stattfanden, werden auch uns fehlen. Nach allem Verrückten und nicht immer Positivem, was uns im Iran wiederfuhr, haben wir in Qamsar unser kleines Paradies gefunden.