Wir entschieden uns, die letzten Kilometer des Green Way, die wir auf zwei Tage hätten aufteilen müssen, zu verlassen, um auf direktem Wege zu Klaus‘ Bruder und Freundin nach Wien zu radeln. Denn nur so konnten wir am Donnerstag auch noch rechtzeitig zu einer Freundin nach Bratislava, bevor diese über Ostern weggefahren wäre. Also mal richtig Stress und das bei 6 Monaten Urlaub! So ging es am 7. Tag unserer Tour bereits über die tschechisch-österreichische Grenze und zwar – mangels Kartenmaterial – geradewegs auf einer Schnellstraße. Verdammt, bei Google Maps sah diese Route wie eine normale Bundesstraße aus! Die LKW-Fahrer straften uns mit brutalen, hauchdünnen Überholmanövern, die uns die Lenker so fest umklammern ließen wie wir konnten. Bei der ersten Gelegenheit ergriffen wir natürlich die Flucht und bogen in eine andere Fernverkehrsstraße ein. Hier hatten wir unsere Ruhe und konnten vom Rückenwind getrieben das kleine hügelige Gebirge in Angriff nehmen, das sich uns und der Hauptstadt in den Weg stellte. Neben unfassbar vielen Rehen, Auerhähnen und Feldhasen war es aber leider auch der Tag der toten Tiere. An noch keinem Tag sahen wir so viele Kadaver am Asphalt festbacken…

Nach etwas Verwirrung fanden wir irgendwann den Donauradweg, den wir aber frühzeitig wieder verlassen mussten, um schließlich in den Großstadtdschungel von Wien einzubiegen. An sich ist diese Stadt super ausgestattet mit Fahrradwegen – man muss sich nur etwas besser auskennen. Da die von uns angesteuerte Wohnung aber am anderen Stadtende lag, mussten wir unzählige Hürden, Ampeln und Einbahnstraßen inmitten von Berufsverkehr, hektischen Menschen und zig anderen Radlern überwinden. Nebenbei noch ein bisschen „oh“ und „ah“, immerhin kamen wir bspw. am Museumsquartier und der Hofburg vorbei. Mit Einbruch der Dunkelheit fielen wir bei unserer Schwägerin in spe ein, die uns schon mit leckerem Essen erwartete. Wir saßen noch lange zusammen, sodass der Start in unseren Stadtbummel- und Ruhetag sehr gemächlich war.

Doch wehe, wenn sie losgelassen werden. Wir grasten bis zum Abend so ziemlich alles ab, was man in Wien gesehen haben muss. Dazu die Suche nach dem perfekten Schnitzel. Denn Wiener Schnitzel muss natürlich vom Kalb kommen und darf dann auch ruhig was kosten. So ein Stück Schwein für 7 € kann leider nichts Gutes sein. Und da wir mit zwei Gastronomen unterwegs waren, war der Anspruch sehr hoch. Satt, arm und zufrieden saßen wir Stunden später im Waldviertler Hof. Zum Abschluss ging es zu Lucijas Mama, um ihr den Schock der Woche zu verpassen. So ein eineiiges Zwillingspaar eignet sich ganz gut für Schabernack àla Doppeltes Lottchen ? Sie war uns trotz des Juckses eine großartige Gastgeberin, die uns mit Pita, Schnaps und vielem mehr verwöhnte…

Aufgrund von Gemütlichkeit, Regen und erneutem Stadtwirrwarrs schafften wir es am nächsten Tag erst erstaunlich spät auf den Donauradweg, um die liebe Franzi in Bratislava zu besuchen. Der Weg war nicht nur elend langweilig (trotz der urwaldgleichen Bäume der Donauauen), sondern begleitet von ständigem Regenklamotten An- und Ausziehen. Leider viel zu spät, um sämtlichem Austauschbedürfnis gerecht zu werden, aber dafür dieses Mal ohne Wegfindungsschwierigkeiten schlugen wir in der gefühlt riesigen Wohnung auf. Es gab Kaffee, Walnüsse und unfassbar leckeres Marlenka-Konfekt, bevor wir uns natürlich auch nochmal die hiesige Küche schmecken ließen. Mit Gulasch und Halušky im Bauch tratschten wir noch bis in die späten Stunden. Am Morgen musste Franzi uns direkt nach dem Frühstück zurücklassen, da ihr Zug für den Osterbesuch in die Heimat ging. Erneut führte unsere Gemütlichkeit und Übernächtigung zu einem Start am Mittag, sodass wir „nur“ 80 km bei Rückenwind und unfassbar flacher Landschaft bis Györ fuhren. Damit waren wir also auch schon in Ungarn und haben zwei weitere Länder hinter uns gelassen. Die beiden Besuche waren für uns wirklich besonders. Gerade als Radreisender, wo man nur mit dem Nötigsten unterwegs ist, ist jede Geste der Gastfreundschaft ein riesiges Geschenk – ob es Essen ist, das extra für uns gekocht, Pralinen, die extra für uns gekauft, Betten, die extra für uns bezogen wurden oder einfach die Zeit, Aufmerksamkeit und das lebhafte Interesse, das uns zuteilwurde. Vielen Dank!