Jetzt ist er da, der große Tag! Wir sind super nervös, ängstlich und vorfreudig zugleich. Es war etwas still hier geworden, obwohl wir Berichterstattungstreue schworen. Nie hätten wir gedacht, dass uns die ganzen To Do’s und To Buy’s dermaßen in Beschlag nehmen würden. Es ist schwer, an alles zu denken, vor allem, da Klaus bis zuletzt (30. März) fleißig auf Arbeit war und die Orga-Last etwas einseitig verteilt war. Wer es als Paar irgendwie kann, sollte am besten einen kompletten Monat vor Abreise gemeinsam frei nehmen. Damit ihr erahnt, was uns so beschäftigt hat:

1) Kartenmaterial

Wir nutzen an Elbe und Donau Kopien der jeweiligen Bikeline-Radwegführer, setzen außerdem auf Reise Know-How-Karten in haptischer Form sowie auf Offline-Karten von OsmAnd (7 Länder kostenfrei – bei uns Georgien bis Kasachstan). Bis Bulgarien haben wir über mein (Antjes) Handy EU-weite Internetflat und können im Notfall Online-Karten konsultieren.

2) Gesundheit

Wir waren gerade noch rechtzeitig bei unserer Hausärztin, um einen passenden Impfplan aufzustellen. Besser man fängt eher als 5 Wochen vor der Angst an. Vor einigen Tagen waren wir mit einer lieben Freundin, die zufällig Ärztin ist, zum Apothekenshopping verabredet, um für alle Fälle die richtigen Medikamente dabei zu haben. Man fühlt sich glatt wie ein kleiner Hypochonder ?

3) Einreisebestimmungen & Visa

Dazu kann man sich gar nicht lange genug informieren. Zumindest wir gehen gerne auf Nummer Sicher und so haben wir ziemlich umständlich und langwierig schon das Visum für den Iran beantragt, der Rest macht leider wegen der taggenauen Einreise-Angabe erst unterwegs Sinn. Als wir Mitte Februar die Referenznummer beantragten, dachten wir, alles wäre entspannt. Gekommen ist sie am 8. März. Am selben Abend gingen wir mit sämtlichen Unterlagen zur Post, um alles per Einschreiben nach Berlin zu senden. Dort wurde es erst am 13. März (!) entgegen genommen, dazu fielen in unsere Bearbeitungszeit die Nouruz-Feiertage (kurdischer Jahreswechsel), sodass uns  in der letzten Woche vor Abreise nur panische Anrufe bei der Botschaft übrig blieben. Am 1. April (kein Scherz) läutete der Postbote mit unseren Reisepässen. Wir haben es gleich mal gar nicht gehört und ich bin ihm kurzerhand hinterhergeradelt.

4) Material

Obwohl wir wirklich Sport- und Natur-liebende Menschen sind, besitzen wir entweder veraltetes Material oder dem einstigen Studentenbudget geschuldete Kompromisslösungen, die damals nicht die Welt gekostet haben und erst mal funktional waren. Angesichts der Dauerbelastung von 6 Monaten fast tagtäglichen Gebrauchs wollen wir uns aber voll und ganz auf jedes Einzelteil verlassen können. Und lasst euch eins gesagt sein: um sich von oben bis unten sowie von innen nach außen komplett einzukleiden und noch diverse andere robuste Camping- und Radl-Utensilien zu organisieren, braucht es Recherche, Zeit und Geld. Auch hier kann man also nie zu früh beginnen…

5) Wohnung
Wir haben uns zur Untervermietung unserer Wohnung entschieden. Den Vertrag konnten wir auch erst vor 2 Wochen unter Dach und Fach bringen – später als uns lieb war. Irgendwas war immer, bis es der Zufall gut mit uns meinte und uns einen sympathischen, verlässlichen Physiker schickte, der genau in unserem Reisezeitraum in Dresden arbeitet. Soweit zur Theorie. Was es praktisch bedeutet, einen „fremden“ Menschen bei sich einziehen zu lassen, steht auf einem anderen Blatt. Es gilt nicht nur das Okay der Hausverwaltung einzuholen. Die Wohnung soll sauber und aufgeräumt sein und dem Untermieter nicht zuletzt Platz zum Verstauen seiner sieben Sachen bieten. Im Packchaos sollte man das nicht unterschätzen.

6) Haustiere

Unsere süßen Mitbewohner, die Zwergkaninchen Kurt und Walther mussten umgesiedelt werden, da unser Untermieter auch viel unterwegs sein wird. Vorsichtshalber ging es nochmal zum Tierarzt und dann musste der Umzug über die Bühne gebracht werden – emotional auch nicht ohne.

7) Freunde & Familie

Man darf natürlich nicht die vergessen, die all das mit einem durchstehen, unterstützend mit Worten, Gesten und Gaben zur Seite stehen und die man natürlich nur ungern hinter sich lässt. Bei allem Fokus auf sich und das eigene Projekt wollten wir die gemeinsamen Stunden auskosten. Eine Abschiedsfeier, um gleich viele unter einen Hut zu bekommen, bietet sich an – nicht zuletzt zum Vernichten etwaiger Schnaps- und Lebensmittelreste.

8) Zettelwirtschaft

Alle wichtigen Dokumente digital auf Laptop, externem Speichermedium und in der Dropbox speichern. Kopien der selbigen mit ins Gepäck sowie ins „Home-Office“ – Eltern opfern sich für sowas gern.

9) Literatur & Musik

Wir haben uns zur Abschiedsfeier Lieblingsmusik von Freunden mitbringen lassen, um sie auf der Festplatte dabei zu haben, haben aber natürlich auch unsere eigenen Plattenregale durchforstet. Einige Reiseführer haben wir dank Reise Kow-How als E-Book. An Belletristik sind zwei kleine praktische Reise-Bücher vom Fischer-Verlag dabei. Mal schauen, ob und wieviel wir zum Lesen kommen. Für den Sprachunterricht nutzen wir Wörterbücher und übersichtliche Sprachführer im Din A4-Format (auch hier opferten sich unsere Freunde, uns die wichtigsten Phrasen in die für uns relevanten Sprachen zu übersetzen). Falls das alles nicht hilft: Zeigewörterbuch von Langenscheidt.

10) Fahrräder & Technik

Bei unseren Rädern sollte jedes Detail stimmen und nicht immer war alles sofort verfügbar. Somit waren wir quasi Stammgast bei Meißner Raeder. Die kompetente Beratung und das Endergebnis waren es aber Wert! Den ganzen technischen Schnickschnack, der uns begleiten wird (Kameras, Action-Kameras, entsprechende Halterungen, Energieversorgung…) hat sich Gott sei Dank Klaus auf den Schirm geschrieben.

Und nun geht es los! Mit einem Tag Verzug, aber die großartige Hochzeit am Wochenende und der Dauerregen gestern ließen es nicht anders zu. Ab heute können wir uns auf das Wesentliche (radeln, schlafen, essen, fotografieren) konzentrieren. Gleichzeitig haben wir Angst. Haben wir an alles gedacht? Wird es das Schicksal gut mit uns meinen? Was, wenn ein paar wichtige Faktoren wie Wetter oder Gesundheit partout nicht mitspielen wollen? Wird uns das lange Unterwegssein wirklich taugen? Und wer sagt uns eigentlich, dass uns bei aller bisherigen Reiselust nicht doch einmal das unbekannte Gefühl des Heimwehs ereilt? Diesen emotionalen Wirrwarr müssen wir durchstehen. Aber damit es sich nicht gleich so „fremd“ anfühlt, steuern wir ja erst mal Familie in Wien an. Wir freuen uns schon!